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Haben wir vielleicht alle schon im Netz geklaut?

Frankfurt am Main, 21.10.2009 - Künstler, Juristen und Vertreter der Musikindustrie diskutieren den Umgang mit geistigem Eigentum

Am 21.Oktober hat die Frankfurt School of Finance & Management ein Podiumsdiskussion veranstaltet, die 'Das neue Urheberrecht - Folgen und Konsequenzen für Künstler, Musikindustrie und Verbraucher' zum Thema hatte.  

v.l.n.r.: Edgar Berger, CEO, Sony Music Entertainment; Michael Herberger, Keyboarder, Musical Director & Produzent der „Söhne Mannheims“; Johannes Kreidler, Komponist & Musiker; Wolf Urban, strategic marketing consultancy; Prof. Hubert Wandjo, Business Direktor & Geschäftsführer, Studiengangsleiter Musikbusiness, pop academy; Prof. Dr. Christoph Schalast, Frankfurt School 

Ein hochkarätig besetztes Podium mit den Gästen : Edgar Berger, CEO Sony Music Entertainment Deutschland ,Österreich und Schweiz, Johannes Kreidler Avantgarde Komponist, Professor Hubert Wandjo, Geschäftsführer der Popakademie Baden Württemberg und Michael Herberger, Musical Director, Keyboarder und Produzent der Söhne Mannheims und Xavier Naidoo, erörterten die Konsequenzen einer sich ständig weiterentwickelnden Internettechnologie in einer globalisierten Welt. Zusammengestellt und organisiert war diese Runde von Wolf Urban, Musikindustrie Veteran (zuletzt weltweiter Leiter der Strategischen Marketing Units von Sony Music International). Zusammen mit Professor Christoph Schalast moderierte er diese Diskussionrunde. Eine der Kernfragen lautete: „Wie können die Interessen der Rechteinhaber und der Musikindustrie geschützt werden, ohne den Verbraucher zu überfordern und das Netz überzuregulieren?“

Unter den Gästen im Hörsaal der Hochschule waren viele Vertreter der Frankfurter Musik(er) Szene , Studenten der Hochschule als auch interessierte Vertreter von Anwaltskanzleien, Manager der Finanzwelt aber auch Vertreter der Piratenpartei.

Wenn auch unterschiedliche Ansichten darüber herrschten ob überhaupt Gebühren für jeden Musik-Download zu erheben sind, so konnte u.a. Michael Herberger, stellvertretend für die Seite der Künstler und Komponisten, glaubhaft vermitteln, dass besonders junge und weniger bekannte Musiker und Komponisten die Leidtragenden einer "Musik-muss-umsonst-sein“ Kultur sind . Edgar Berger bezifferte die Verluste auf bis zu 50 % gegenüber der "Vor-Internet-Zeit". Professor Hubert Wandjo führte weiter aus, dass diese Entwicklung zu einer Re- Amateurisierung der jungen Musikerszene geführt hat. Dies bedeutet u.a., dass immer weniger Musiker von den Einnahmen Ihrer Aktivitäten leben können, die notwendigen Budgets für hochwertige Produktionen nicht mehr finanziert werden und somit viele Kreative ihre Musik nur noch als Feierabend-Hobby betreiben können.

Edgar Berger begegnete dem Vorwurf, dass die Industrie unkreativ auf die Herausforderungen des veränderten Musiknutzungsverhalten reagiere, mit der Aufzählung weltweit stattfindender Tests mit ganz unterschiedlichen Einnahmemodellen, die durch die Musiklabels ins Leben gerufen oder zumindest unterstützt werden. Dazu zählen u.a. Monats- oder Jahres Flatrates, Werbe-Einahme-Modelle als auch Musik-Streaming Angebote. Ausserdem werden Musikproduktionen mit Zusatzleistungen wie Special Mixes, Videos, Ringtönen, Wallpapers, Songtexten und anderen Zusatznutzen angeboten. Darüber hinaus hat der Konsument heutzutage die Freiheit sich nur einen oder einige Titel eines Künstleralbums herunter zuladen, anstatt wie noch vor wenigen Jahren üblich das ganze Album oder die gerade aktuelle Single erwerben zu müssen.

Bei der Erörterung der Frage „ob musikalische Werke überhaupt urheberrechtlich geschützt werden müssen“ stellte sich der Avantgarde Komponist Johannes Kreidler auf den Standpunkt , dass es nicht möglich ist ein objektives Kriterium für schützenswerte Werke zu definieren. Seiner Meinung nach sind unter anderem, die auf einfache musikalische Strukturen basierenden Volks -und Schlagermusikwerke eigentlich keine Neukompositionen im ursprünglichen Sinn. Daraus folgert er, dass die straf- und zivilrechtliche Verfolgung sogenannter Plagiate überflüssig sei. Kreidler hatte im Jahr 2008 mit einer 33 Sekunden Komposition auf sich aufmerksam gemacht, welche aus 70200 Musikzitaten besteht. Um diese ordnungsgemäß bei der GEMA anzumelden füllte er die hierzu vorgeschriebenen 70200 Antragsformulare aus und gab diese in physischer Form in der Berliner GEMA Filiale ab.

Einigkeit erzielte man im Podium und bei den Gästen darin, dass es in jedem Fall eine Vergütung für Musiker, Künstler und Komponisten geben müsse. Insbesonders die Musikschaffenden der Podiumsrunde konnten sich mit Vorschlägen anfreunden, Musikgebühren bzw. Musiksteuern analog zu den Rundfunk -und Fernsehgebühren einziehen zu lassen. Die Gebühren könnten dann gegebenenfalls über eine Stiftung verwaltet und verteilt werden. Der hierzu notwendige administrative Aufwand und die Wirtschaftlichkeit einer derartigen „Musiksteuer-Lösung“ wurde entsprechend kontrovers diskutiert.

Eine weiterer wichtiger Aspekt der Urheberrechts Diskussion ist die Frage wie speziell junge Verbraucher vor ungewollten Regelverstößen beim ‚downloaden’ und kopieren von CD’s gewarnt bzw. sogar geschützt werden können. Die Praxis einiger Anwaltskanzleien mit oder auch ohne Auftrag seitens der Musiklabels einzelne private Nutzer von Tauschbörsen zu verklagen und hierzu benützte Computer einziehen zu lassen wurde erwartungsgemäß vom Gros der jüngeren Gäste als sehr unpopulär eingestuft, anderseits von der Musikindustrie als notwendige Reaktion auf den Musikdatenklau erachtet.

Dem weitverbreitenden fehlendem Unrechtsbewusstsein beim ‚Internetklau’ sollte einerseits bereits in der Schule und in den relevanten Medien durch Aufklärung begegnet werden. Denkbar
und als sinnvoll erachtet wurden ‚Warn-Pop-Ups’ bei der Verwendung spezieller Software und beim Zugriff auf Tauschbörsen. Diese moralische Waffe sollte auch bei der neuesten Netzpiraterie Variante, den sogenannten One-Klick Hostern wie zum Beispiel Rapidshare eingesetzt werden. Diese auch Rapidshare Server genanten externen Speicher-Parkplätze bieten deren anonymen Nutzer fast unbegrenzte Datenspeicherkapazitäten.

Deutlich wurde in der Diskussion und in den Gesprächen, die auch nach der offiziellen Veranstaltung weitergeführt wurden, dass die technologische Weiterentwicklung mit immer neuen Hard –und Softwareangeboten einen unumkehrbaren Prozess eingeleitet hat. Dieser hat einen neuen Typus Musikverbraucher geschaffen, welcher mit dem schallplattensammelnden Musikaficinado des vergangenen,20 Jahrhunderts nur noch das Hören über die Ohrmuscheln gemein hat.


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Angelika Werner
Leiterin Unternehmenskommunikation
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