Von der Bank in die Politik

Bereits seit 2004 gehört Torsten Bonew, 39, dem Leipziger Stadtrat an. Am 24. März dieses Jahres wurde er mehrheitlich zum Bürgermeister und Beigeordneten für Finanzen seiner Heimatstadt gewählt. Torsten Bonew ist Absolvent der Frankfurt School of Finance & Management. 1993 begann er sein berufsbegleitendes Studium zum diplomierten Bankbetriebswirt an der Frankfurt School of Finance & Management, das er im Jahr 2000 erfolgreich abschloss. Darüber hinaus war er viele Jahre als Dozent für die FS tätig.
Nach dem Abitur 1990 absolvierte Torsten Bonew von 1990 bis 1992 eine Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Dresdner Bank AG in Leipzig, wo er anschließend verschiedene Positionen inne hatte. 2007 übernahm er die Leitung der Dresdner Bank-Filiale in Oschatz. Torsten Bonew trat 1998 in die CDU ein.
Die Frankfurt School gratuliert ihrem Absolventen sehr herzlich und wünscht ihm für seine Aufgabe alles Gute und viel Erfolg. Im Interview stellen wir ihn und seine neue Aufgabe vor.
Seit März sind Sie nun Finanzbürgermeister der Stadt Leipzig. Was bedeutet das Amt für Sie?
Das Amt als Finanzbürgermeister meiner Heimatstadt Leipzig ist mehr als nur eine spannende Erfahrung und ein interessanter Gegensatz zu meiner bisherigen beruflichen Laufbahn bei einer privaten Bank für mich. Bereits während meiner Zeit als Leipziger Stadtrat war ich Mitglied im Finanzausschuss. Schon damals war es mir wichtig, mich zum Wohle der Stadtfinanzen einzusetzen. Nun, da ich dieses Amt übernommen habe, stehen mir mehr Möglichkeiten zur Verfügung, den Herausforderungen, die so ein Stadthaushalt mit sich bringt, zu begegnen.
Welches Budgetvolumen verantworten Sie und wie viele Mitarbeiter unterstützen Sie als Stadtkämmerer?
In Leipzig leben mehr als eine halbe Million Menschen. Dementsprechend umfangreich ist der Haushalt einer solchen Stadt aufgestellt, für den ich als Finanzbürgermeister die Verantwortung trage. Für das Jahr 2010 haben meine Mitarbeiter und ich einen Haushalt von rund 1,5 Milliarden Euro aufgestellt. Insgesamt kann ich mich bei meiner Arbeit auf gut 240 gut ausgebildete Mitarbeiter verlassen, vom Sachbearbeiter bis zum Amtsleiter.
Worin sehen Sie die größten Herausforderungen als neuer Finanzbürgermeister der Stadt Leipzig?
In vielen Kommunen ist die Finanzsituation angespannt ― leider auch in Leipzig. So sind die Konsolidierung des Haushalts, der Abbau der Schulden und die Optimierung der Verwaltungsprozesse meine wesentlichen Ziele. In den letzten Jahren hat die Stadt ihre Schuldenlast erfolgreich reduziert. Auch konnten für 2009 und 2010 ausgeglichene Haushalte vorgelegt werden. Und trotz eines zu erwartenden Haushaltsdefizits für 2011 von rund 50 Millionen Euro möchte ich an diese solide Haushaltspolitik der vergangenen Jahre anknüpfen.
Hilft Ihnen Ihr Studium an der Frankfurt School bei Ihrer Aufgabe, die Sie seit Mai übernommen haben?
Als ich vor etwa einhundert Tagen im Leipziger Rathaus anfing, war für mich vieles neu. Wenn man jahrelang in der so genannten freien Wirtschaft tätig war und dann plötzlich Teil einer öffentlichen Verwaltung ist, so ist das schon eine große Umstellung. Doch mit dem Wissen und den Fähigkeiten, die ich während meines Studiums an der Frankfurt School erworben habe, habe ich immer einen verlässlichen Kompass, wenn es gilt, wichtige Entscheidungen zu treffen. Doch nicht nur das rein fachliche Wissen über finanzpolitische Zusammenhänge hilft mir ― auch in puncto Führungskompetenz profitiere ich von meiner Ausbildung in Frankfurt: Jeden Tag habe ich Verantwortung für ein ziemlich großes Team an Mitarbeitern. Mit dem Studium an der Frankfurt School habe ich mehr als nur eine solide Grundlage für meine jetzige Arbeit gelegt.
In Deutschland wird viel über Politikverdrossenheit diskutiert. Immer weniger Menschen gehen zur Wahl. Berufspolitiker genießen alles andere als ein gutes Image. Sie haben sich nun für eine berufliche Karriere in der Politik entschieden. Warum tun Sie sich das an?
Ich denke nicht, dass ich mir in meinem neuen Job irgendetwas antue – im Gegenteil. Meine Arbeit macht mir jeden Tag aufs Neue viel Freude. Für mich ist es eine Ehre, dieses Amt auszuüben und dadurch zu einer positiven Entwicklung in meiner Heimatstadt Leipzig beitragen zu können. Ich will Dinge verändern, etwas bewegen und aus diesem Grund habe ich mich ganz bewusst für den Weg in die Politik entschieden.