Zwei spannende Antrittsvorlesungen
Frankfurt am Main. - Erste Antrittsvorlesung des Sommersemesters.
Am Mittwoch, 16. März 2011, hielten die beiden neuen Professoren der Frankfurt School, Professor. Dr. Elisabeth Müller und Professor Dr. Jörn-Henrik Thun ihre Antrittsvorlesungen.
Professor Dr. Udo Steffens, Präsident der FS, eröffnete den Abend. In seinem Grußwort betonte er, dass die beiden neuen Professoren eine weitere Bereicherung für die Fakultät seien.

- Prof. Dr. Elisabeth Müller
Elisabeth Müller hat seit September 2010 die Professur für Innovationsmanagement an der FS inne. In ihrer Antrittsvorlesung beschäftigte sie sich mit dem Thema „Das Patentsystem: Nutzen und Herausforderungen für Unternehmen“. Darin verdeutlichte sie, dass Patente zwar Innovationen schützten und somit förderten, diese jedoch auch behindern könnten. Ein Grund hierfür sei, dass Produkte immer komplexer würden. Als Beispiel nannte Professor Müller die Smartphone-Industrie, in der sich in den letzten Jahren regelrechte Patentkämpfe entwickelt hätten. Da die Geräte so multifunktional seien, hätten Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen (Hersteller von Mobiltelefonen, Softwareunternehmen, Kamera-Hersteller) Patente an Smartphones.
Nach einem Überblick über das Patentsystem ermöglichte Professor Müller den anwesenden Gästen noch einen Einblick in eines ihrer Forschungsprojekte, das sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit Unternehmen in Deutschland auf Probleme beim Zugang zu Patentrechten stießen und welche Lösungsstrategien diese dabei anwendeten. Eine wichtige Forschungserkenntnis dabei war, dass nur ein geringer Anteil der Unternehmen Forschungsprojekte wegen fehlenden Zugangs zu Patentrechten abbrechen muss, Änderungen vorhandener Projekte jedoch relativ häufig anzutreffen sind.

- Prof. Dr. Jörn-Henrik Thun
„Was wir von Ameisen lernen können oder Lösungsansätze für das Vehicle-Routing-Problem" lautete das Thema der Antrittsvorlesung von Jörn-Henrik Thun, der seit September 2010 die Professur für Operations Strategy an der FS innehat. Zunächst erläuterte Professor Thun, warum die Distributionslogistik in der modernen Wirtschaft überhaupt relevant sei. Durch die Globalisierung seien Kunden und somit die Nachfrage heute räumlich weit verteilt. Demgegenüber stehe das Bestreben von Unternehmen, möglichst „nah am Kunden“ zu sein und diesen einen hohen Servicegrad in Form von schnellen und pünktlichen Lieferungen zu bieten. Auch der verstärkte Wettbewerb und der damit gestiegene Kostendruck spiele eine Rolle.
Eine zentrale Fragestellung der Distributionslogistik sei das sogenannte Vehicle-Routing-Problem. Dabei geht es um die Fragestellung, wie optimale Touren zwischen verschiedenen Anfahrtszielen zu wählen sind, damit die gesamte Fahrtstrecke möglichst kurz ist. Professor Thun veranschaulichte dies mit einem Praxisbeispiel der Tourenplanung eines Frankfurter Pizzaservices. Er stellte im Anschluss daran verschiedene Lösungsansätze für dieses Problem innerhalb der Distributionslogistik vor und präsentierte, wie dies mit dem sogenannten Ameisen-Algorithmus optimiert werden kann. Dafür nutzte er die Erkenntnis, dass Ameisen durch die Ausschüttung von Pheromonen in der Lage sind, kürzeste Wege zwischen Futterquelle und Bau zu etablieren.
Mit dem sogenannten Travelling-Salesman-Problem, auch als „Problem des Handelsreisenden“ bekannt, widmete sich der Vortrag mit der Tourenplanung zwischen 40 deutschen Städten einer komplexeren Fragestellung, die ebenfalls mit dem Ameisen-Algorithmus optimiert wurde. Professor Thun beendete seine Antrittsvorlesungen, indem er auf das Potenzial des Ameisen-Algorithmus für andere Felder der Betriebswirtschaftslehre, wie z.B. das Finanzwesen, hinwies.
Beim anschließenden Empfang nutzten die Teilnehmer die Möglichkeit, die neuen Professoren näher kennenzulernen.









