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Manager Magazin online: "Die Mär von Mr. Zockerberg"

Prof. Dr. Christian Schulze, Juniorprofessor für Marketing an der Frankfurt School, bewertet Facebooks Börsengang.

Angesichts hoher Kursverluste wird der Facebook-Börsengang zum Fiasko erklärt. Doch das Gegenteil ist richtig: Das IPO brachte dem Unternehmen und seinen Gesellschaftern den größtmöglichen Erlös - und die Märkte haben gezeigt, dass sie funktionieren.

Hamburg - Die Aufregung ist groß: Der größte IT-Börsengang aller Zeiten - anscheinend ein Desaster. Die Anleger - von Facebook angeblich rücksichtslos in die Irre geführt. Firmengründer Mark Zuckerberg - offenbar ein skrupelloser Mr. Zockerberg.

Was ist passiert? Facebook, das größte soziale Netzwerk weltweit mit mehr als 900 Millionen aktiven Nutzern, ist am Freitag an die Börse gegangen. Die Papiere wurden zum Preis von 38 Dollar (29,74 Euro) an die Erstzeichner verkauft. Schon am ersten Tag jedoch - der noch dazu mit technischen Schwerigkeiten der New Yorker Nasdaq begann - hielt die Aktie nicht, was viele offenbar erwartet hatten. Der Kurs stieg zwar vorübergehend leicht an, geriet dann jedoch unter Druck. Nur mit massiven Stützungskäufen konnten die Konsortialbanken unter Führung von Morgan Stanley verhindern, dass die Aktie bereits am ersten Handelstag unter den Emissionspreis 38 Dollar fiel.

Der Kursrutsch kam dann jedoch am Montag, als sich die Institute mit Eingriffen zurückhielten. Da rutschte das Papier heftig ab, ging mit einem Minus von 11 Prozent bei 34 Dollar aus dem Handel. Am Dienstag setzte sich der Kursrutsch zunächst fort. Spätestens da war es für viele perfekt, das Facebook-Fiasko am Aktienmarkt.

Doch der Schein trügt. Tatsächlich war das IPO keineswegs der Mega-Flop, zu dem es nun viele machen wollen. Im Gegenteil: Für die meisten Beteiligten war der Deal ein voller Erfolg. [...]

Doch was sagt das alles aus? Tatsächlich wird erst die Zukunft zeigen, ob die Facebook-Aktie auf dem gegenwärtigen Niveau zu teuer ist. Oder vielleicht sogar noch zu günstig.

"Niemand kennt den Wert des Unternehmens", sagt Experte Schulze von der Frankfurt School. "Viele Investoren haben kaum eine Vorstellung davon, womit sie es bei Facebook tatsächlich zu tun haben. Deshalb können sie auch die künftigen Gewinnmöglichkeiten nicht richtig einschätzen."

Noch streiten die Beobachter, womit Facebook in einigen Jahren den Großteil seiner Gewinne erzielen wird. Laut Schulze bildet die traditionelle Bannerwerbung lediglich die Spitze des Eisberges. Sowohl mit Unternehmen als auch mit Nutzern könne auf vielfältige Weise Geld verdient werden.

Als Stichwörter nennt Schulze: Kostenpflichtige Unternehmenspräsenzen, einen App-Markt, den Einstieg in den Transaktionsmarkt, den Verkauf von marktforschungsrelevanten Daten, die Einrichtung eines Premium-Modells, ähnlich wie bei Xing .

Der Fachmann ist sich sicher: Gegenwärtig wird der Facebook-Kurs noch beinahe ausschließlich durch Gefühle gelenkt. Erst wenn demnächst Quartalszahlen veröffentlicht werden, erhält er eine realistische Basis. Dann werden die Anleger erkennen können, ob und wie stark das Unternehmen seine Ergebnisse verbessert. "So war es bei Google anfangs auch", sagt Schulze. "Die Aktie ist sicherlich risikoreich, aber eine starke Übertreibung kann ich in der Bewertung von Facebook nicht erkennen." [...]