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Frankfurt am Main, 18.04.2016 12:00:00

Über 240 Studierende, Alumni und interessierte Frankfurter waren am Dienstag, 12. April 2016, ins Audimax der Frankfurt School of Finance & Management gekommen um sich über die wirtschaftspolitischen Implikationen der Flüchtlingsmigration zu informieren. Gastredner war Dr. Jochen Andritzky, Generalsekretär des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, dem die fünf Wirtschaftsweisen angehören.

Professor Dr. Adalbert Winkler, Professor für International Development Finance an der Frankfurt School, führte in den Abend ein, stellte den Redner vor und moderierte die abschließende Publikumsdiskussion. „Die Flüchtlingsmigration ist sowohl ein Thema der vergangenen als auch der zukünftigen Monate“, betonte er und stellte damit Relevanz und Dringlichkeit des Themas heraus.

Dr. Jochen Andritzky ordnete zunächst die aktuelle Situation ein. Er betonte, dass die Herausforderungen der Flüchtlingsmigration eine gemeinsame europäische Aufgabe seien, ein Land allein können diese nicht lösen. So sei beispielsweise eine Stärkung des EU Fonds zur Flüchtlingsintegration wichtig, um Länder mit hohen Ausgaben, etwa Griechenland, zu unterstützen. Eine Aufweichung der Kriterien des Stabilitäts- und Wachstumspakts sei nicht wünschenswert.

Weiter stellte Dr. Jochen Andritzky Zahlen zur Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge in Deutschland vor. Die Integration in den Arbeitsmarkt sei langfristig und teuer, aber notwendig, um den Menschen eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen und letztlich eine gesellschaftliche Integration zu ermöglichen.
Während die Migration sich zunächst auf den Wohnungsmarkt und erst dann auf den Arbeitsmarkt bemerkbar mache, sei langfristig mit einem erhöhten Angebot an Arbeitnehmern – gerade im Segment der Geringqualifizierten - zu rechnen. Dies erhöhe allerdings möglicherweise den Anreiz zur beruflichen Weiterqualifikation.

Während der Wachstumsimpuls durch die Mehrausgaben im Zuge der Flüchtlingsmigration wohl kleiner ausfalle als vielfach erhofft, rechnete Dr. Jochen Andritzky im Gegenzug auch mit tragbaren direkten Kosten für den deutschen Staat. So seien die zusätzlichen Ausgaben auch ohne Steuererhöhungen finanzierbar.

Um die indirekten Kosten für Wirtschaft und Gesellschaft möglichst niedrig zu halten, müsse die Integration der Flüchtlinge für Deutschland eine hohe Priorität haben. Dabei sei es vor allem wichtig die Asylverfahren zu beschleunigen und langfristige Perspektiven für Integrationswillige zu schaffen. Um die zu erwartende Belastung für den Wohnungsmarkt einzudämmen, seien Maßnahmen zur Erleichterung des Wohnungsbaus und die Abschaffung der Mietpreisbremse sinnvoll.

Im Anschluss an den Vortrag beantworteten Dr. Jochen Andritzky und Professor Dr. Adalbert Winkler zahlreiche Fragen aus dem Publikum und ermöglichten so eine lebhafte Diskussion.

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