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Frankfurt am Main, 06.02.2015 12:00:00

Bachelor-Studierende der Frankfurt School of Finance & Management simulieren Behälterkreisläufe im Werk ZD der LSG Sky Chefs am Frankfurter Flughafen

Rote Wannen mit Haltegriffen für Lebensmittel aller Art, grüne klappbare Körbe mit Gitterstrukturen für Gemüse, blaue geschlossene Wannen für Teller, Tassen und Schalen zur Einlagerung im automatischen Kleinteilelager, weiße Kisten für Besteck – die im Werk ZD der LSG Sky Chefs verwendeten Behälter haben viele unterschiedliche Farben, Formen, Größen und Einsatzgebiete. Und die Aufzählung ist längst nicht komplett – schon gar nicht, wenn man die weiteren Werke in Deutschland oder sogar der Welt hinzunimmt. Gründe für die Behältervielfalt gibt es immer: hier das Kleinteilelager, welches nur Wannen mit Barcode einlagern kann, dort die Notwendigkeit, Brötchen in luftdurchlässigen Gitterkörben abkühlen zu müssen. Dr. Jasmin Stahl, Vice President Supply Chain Management, würde die Vielfalt der verwendeten Behälter dennoch gerne reduzieren. Dadurch, so hofft sie, könnte die Menge an insgesamt eingesetzten Behältern deutlich reduziert, Prozesse verbessert und Lagerflächen reduziert werden.

Bei einem Kooperationsprojekt mit der Frankfurt School of Finance and Management haben zehn Bachelor-Studierende unter der Betreuung von Professor Dr. Rainer Sibbel, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Internationales Gesundheitsmanagement, und Professor Dr. Jürgen Strohhecker, Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Produktionswirtschaft und Controlling, vier Monate daran gearbeitet, Ideen zur Behälterstandardisierung zu generieren und deren Auswirkungen zu analysieren. Zum Einsatz kam dabei die diskrete, ereignisgesteuerte Simulation, mit der sich die verschiedenen Behälterkreisläufe realitätsnah modellieren und belastbare Aussagen zur Wirksamkeit verschiedener Maßnahmen treffen lassen.

523 war der eingängige Vorschlag einer Studentengruppe, d.h. die Reduzierung der Behältertypen von fünf auf drei, mit deutlichen Vorteilen: Kürzere durchschnittliche Lagerzeiten, weniger Kisten und höherer Nutzungsgrad. Das Fazit der anderen Projektgruppe zu der von ihr untersuchten extremen Handlungsoption, nur noch einen einzigen Kistentyp einzusetzen: Eine deutliche Verbesserung der meisten Performance-Kennzahlen, aber mit drastischen Nebenwirkungen für die notwendige Kapazität in der Spüle. Der bessere Kompromiss – ein Behältertyp für alle Lebensmittel und ein weiterer für alle anderen Materialien.

Dr. Jasmin Stahl zeigte sich von den Ergebnissen, welche die beiden Studentengruppen Mitte Januar im Unternehmen vorstellten, sehr beeindruckt: „Sehr professionell präsentiert und mit großem Engagement erarbeitet. Das ist deutlich mehr als ich mir zu Beginn des Projekts erhofft hatte.“ Auch für Daniel Wilde von Wildemann, Gruppenleiter Supply Chain Management, hat sich die Zusammenarbeit gelohnt. „Wir mussten mehr Informationen liefern und Fragen beantworten als wir zu Beginn gedacht hatten. Aber wir würden es wieder machen. Das Ergebnis überzeugt.“

Die Stimmung bei den Studierenden nach der Präsentation war ebenfalls positiv. „Das Projekt hat mehr Arbeit gemacht als andere Fächer. Aber ich war auch noch nie so stolz auf das nach einem Kurs Erreichte.“, kommentierte Maren Bruns, die berufsbegleitend BWL studiert. Marvin Thielking, berufsbegleitender Student der Wirtschaftsinformatik, pflichtet ihr bei: „Informatiker, Banker und BWLer in einem Catering-Betrieb – was auf den ersten Blick merkwürdig klingt, war für uns alle eine spannende Erfahrung; gleichzeitig hat es unseren fachlichen Horizont um ein neues Themengebiet erweitert.“ Kevin Koch, ebenfalls eingeschrieben in das berufsbegleitende Studium der Wirtschaftsinformatik, ergänzt: „Nachzuvollziehen wie die Produktionsabläufe von LSG Sky Chefs funktionieren und wie diese optimiert werden können, war für mich sehr lehrreich. Die Unterschiede zwischen einem Finanzinstitut und einem produzierenden Unternehmen sind mir in meinem Studium erst durch dieses Projekt richtig klar geworden.“

Die beiden Professoren Rainer Sibbel und Jürgen Strohhecker sind ebenso sehr zufrieden. Auch im 14. Kooperationsprojekt, das sie in den vergangenen acht Jahren durchgeführt haben, sind ihre didaktischen Ziele erreicht worden. Professor Sibbel betont: „Es ist einfach spannend zu erfahren, als wie komplex sich einfach anmutende Fragestellungen in der Praxis erweisen. Und es macht allen Beteiligten umso mehr Spaß, wenn klar ist, dass es allen um real umsetzbare Verbesserungen geht.“ Bevor in einem guten halben Jahr das nächste Kooperationsprojekt starten wird, richten die Professoren jetzt ihr Augenmerk auf das Modul „Operations Modelling“ im 6. Semester des Bachelor-Studiums (B.Sc.). Denn – so unisono das Feedback der diesjährigen Teilnehmer – die Einführung in die Modellierung und Simulation von Herausforderungen des Operations Managements schafft eine wesentliche Grundlage dafür, im nachfolgenden Praxisprojekt erfolgreich Prozessanalysen durchführen zu können.

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