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Mongolei, Aserbaidschan, Kenia, Philippinen, Kambodscha, Brasilien, Palästina, Uganda…Die Aufzählung klingt wie die Lösung eines kniffeligen Geographierätsels. Tatsächlich ist es Christian Rühmers Antwort auf die Frage, wo sein Beruf ihn in diesem Jahr schon hingeführt habe. Der 44-jährige hat 1995 seinen Abschluss an der Frankfurt School (damalige Hochschule für Bankbetriebswirtschaft) und dann zunächst „eine ganz normale Bankkarriere“ gemacht. Seit 2013 ist er in Vollzeit als selbständiger Berater für Finanzinstitutionen und Private Equity Funds tätig.

Gründerzeit an der Frankfurt School

Als roten Faden in seinem Leben bezeichnet Christian Rühmer, „den Antrieb etwas Neues zu machen und mitzugestalten.“ Das war auch schon während seines Studiums an der Frankfurt School (damals HfB) so: „Als Studenten hatten wir die Gelegenheit, vieles selbst aufzubauen, wie den Studentenrat und die ersten Feiern. Wir haben Seminare und Sportveranstaltungen organisiert und in den Pausen um den Zugang zum Münzkopierer oder um den einzigen Bloomberg Terminal gekämpft. Die Weltoffenheit und das Engagement – zum Beispiel von Professor Heidorn, Professor Cremers und Professor Leonardi (Januar 1999) – hat mir von Anfang an gut gefallen. Deshalb bin ich auch einer von sieben Gründungsmitgliedern des Alumni Vereins. Da gab es noch mehr Studenten als Absolventen.“

Projekte mit International Advisory Services

Seiner Hochschule ist der Betriebswirt jedoch nicht nur als Vorsitzender und späteres Mitglied des Alumnivereins verbunden geblieben. Auch beruflich hat er immer wieder mit der Frankfurt School, genauer gesagt den International Advisory Services, zusammengearbeitet. „2001 bin ich für die Deutsche Bank nach New York gegangen um das Kreditportfolio Management aufzubauen. Gleichzeitig habe ich angefangen, in meiner Freizeit auch Mikrofinanzinstitutionen zu beraten. Mein erstes Projekt war eine Kostenrechnung für eine Genossenschaftsbank in Bolivien aufzubauen und die ersten FS Summer Academies zum Thema Microfinance mitzugestalten. Seitdem begeistere ich mich für die Arbeit mit kleinen Finanzinstitutionen in Entwicklungsländern.“

Karrierewechsel zum selbstständigen Risikomanager

Seit 2013 ist aus der Freizeitbeschäftigung der Hauptberuf geworden. Christian Rühmer fand seinen „Banker Job eigentlich immer ziemlich spannend. Man musste ein präzises, technisches und mathematischen Denken zum Einsatz bringen. Mit der Finanzkrise 2008 wurden die Aufgaben noch interessanter. In dem Bereich der Restrukturierungen wurden die Probleme vielschichtiger und anspruchsvoller. Plötzlich ging es darum, meinen Arbeitgeber in Gerichtsverfahren zu vertreten, Refinanzierungen zu verhandeln, oder halb fertige Immobilienprojekte zu übernehmen und die Fertigstellung zu betreuen.“

Das Problemlösen bezeichnet Rühmer als seine Leidenschaft und Stärke. Diese konnte er jedoch stärker als Risikomanager in Entwicklungsländern zum Einsatz bringen. „Mein Aufgabengebiet in der Bank wurde zunehmend vorsichtiger und weniger unternehmerisch. Doch genau das unternehmerische Moment ist als Berater gefragt. Da geht es darum, Lösungen für eine Krankenhauskette in indischen Slums oder einen Studienfinanzierer in Mexiko zu finden. Bei diesen Projekten können wir in kleinen Teams mit kreativen Ideen viel bewirken.“

Projecto Horizonte

Der Drang etwas zu verändern und zu verbessern hat ihn auch zu seinem Herzensprojekt getrieben: 2004 gründete Rühmer in Bolivien einen Kindergarten. „Damals habe ich nach einem kleinen Projekt gesucht, das ich selbst aufbauen konnte. Es war schon eine gewisse Naivität dabei, die aber half, aus einer Idee etwas richtig Großes wachsen zu lassen. „Ich habe viel über die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe gelernt. Es war schwieriger als erwartet, den Menschen in einer der ärmsten Region Lateinamerikas den Wert von Bildung, Erziehung und Gesundheit nahezubringen. Der Durchbruch gelang nach ein paar Jahren nachhaltiger Arbeit.“

Mittlerweile hat das Projekt 75 Mitarbeiter, darunter Erzieher, Psychologen, Ärzte und Sozialarbeiter. Neben dem Kindergarten gibt es nun auch eine Schule und eine Gesundheitsstation. Über 800 Kinder nutzen das Angebot dieser Einrichtungen. „Von den ersten Absolventen aus unserer High School engagieren sich nun einige in der Gestaltung des Freizeitangebotes für die Jüngeren und mit dem 10. Jahrestag dieses Jahr haben wir auch begonnen einen Teil der Verantwortung an die lokale Gemeinschaft zu übergeben. Das ist ein toller Erfolg.“

Sein Wohnort wollte Rühmer jedoch nie nach Bolivien verlegen. Diesen hat er in New York, „eine der spannendsten und internationalsten Städte mit erstaunlicher Lebensqualität“, die er je gesehen habe. „Ich bin gerne beruflich unterwegs und reise in entlegene Winkel der Erde. Doch es ist wichtig, auch ein Zuhause zu haben. Mein Sohn ist in New York geboren und wir fühlen uns hier daheim.“

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