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Frankfurt am Main, 16.05.2018 12:00:00

Am 16. November 2018 findet der diesjährige Best Practice User Group Deutschland e.V. (BPUG) Kongress an der Frankfurt School of Finance & Management statt. Dr. Jörg Lobbes, Dozent an der Frankfurt School und Vorstandsvorsitzender der BPUG, erklärt im Interview wofür der Zusammenschluss steht und welche Themen bei der Veranstaltung im Herbst besprochen werden.

Neben seiner Tätigkeit an der Wirtschaftsuniversität ist Jörg Lobbes selbstständiger Berater für die Themen IT Service Management, Projekt- und Programmmanagement sowie IT-Governance. Dabei berät er u.a. ein großes Finanzinstitut bei der Steuerung von Vendoren im Rechenzentrumsbereich.

Jörg Lobbes studierte Chemie und hat sich in seiner Promotion am Alfred-Wegener-Institut mit den Stoffkreisläufen im Arktischen Ozean beschäftigt.

Dr. Jörg Lobbes

Dr. Jörg Lobbes

Am 16.11.2018 findet auf dem FS-Campus der BPUG Kongress in Zusammenarbeit mit der Frankfurt School statt. Wofür steht der Best Practice User Group Deutschland e.V. (BPUG) und welche Inhalte stehen auf dem Kongress auf der Agenda? Sprechen Sie dabei besondere Zielgruppen an?

Der BPUG wurde vor rund 15 Jahren als Peer Group für die Projektmanagement-Methode Prince2 gegründet. Der Verein ist in allen möglichen Bereichen tätig. Wir haben ein Set von Methoden mit Schwerpunkt auf das IT-Umfeld. Das Ziel war und ist der Austausch über Unternehmensgrenzen hinweg: Konzerne nutzen Prince2 in der Organisation, ihre Mitarbeiter – die User – nutzen den Verein als Plattform zum Erfahrungsaustausch. Indem ein Unternehmen eine PM-Methode für alles nutzt und daraus eine Best-Practice Methode entwickelt, stellt es die Erfahrungen aus dem beruflichen Alltag für andere bereit. Portfoliomanagement oder auch Risikomanagement bedienen sich einer gebündelten administrativen Weise. Im Umkehrschluss würde jeder für sich arbeiten und das Rad ständig neu erfinden. Das ist nicht gut für das Unternehmen und auch nicht gut für Lernprozesse.

Der Kongress steht 2018 unter keinem Hauptthema. Vielmehr beschäftigen wir uns mit Themen, die die Gegenwart bestimmen wie Digitalisierung und „New Work“. Als Zielgruppe sprechen wir alle an, die mit Projektmanagement zu tun haben, also Projektmanager aus der zumeist mittleren Management-Ebene und Professionals mit Fachverantwortung, aber auch CIO’s und CEO’s. Die Kernsparten sind immer noch der IT- und der Telekommunikations-Bereich. Eine zweite Zielgruppe sind Schulungsanbieter und Trainer, die bei uns gelistet sind. Der Verein ist eine gemeinsame Basis, trotz der Wettbewerbssituation. Über die Kooperation mit der Frankfurt School (FS) freuen wir uns besonders. Die FS ist ein interessanter Partner, den wir über die fachliche Zusammenarbeit mit den Competence Centern Governance und Audit im IT-Bereich sowie Projektmanagement kennen. Wir arbeiten bei Veranstaltungen immer mit Partnern zusammen, es ist für alle eine Win-Win-Situation. Für den Kongress 2018 stellen wir auch erstmals ein Kontingent an kostenfreien Tickets für FS-Studenten bereit.

Welchen Mehrwehrt haben Best Practice-Methoden für Unternehmen? Welche verschiedenen Formen oder Ausprägungen gibt es? An wen wenden Sie sich hauptsächlich: Unternehmen oder Einzel-/Privatpersonen?

Die Frage bei Unternehmen ist: Erfinde ich Abläufe und Prozesse immer wieder neu oder nutze ich die Erfahrung und Erkenntnisse, die bereits existieren? Jede Projektmanagement-Methode entspricht einer Sprache, die im gesamten Unternehmen gesprochen wird. Bei Prince2 weiß jeder, wie man arbeitet, wo Verantwortlichkeiten liegen, ab wann und wie eskaliert wird. Viele Experten sind Mitglied im Verein. Die Zertifizierung ist keine Aufnahmebedingung, aber Personen, die die Zertifizierung beruflich oder privat gemacht haben, werden oft Mitglied. Dazu kommen auch ein Karrierefaktor und ein ideelles Moment, nämlich die Weiterentwicklung der Methode.

Auf welcher fachlichen Ebene bringen Sie zum Beispiel die Felder Governance und Projektmanagement zusammen? Gibt es wechselseitige Vorteile?

Das lässt sich sehr gut zusammenbringen. Zum Beispiel wird im IT-Governance Management nach der Methode Cobit 5 gearbeitet, die auch auf Prince2 basiert. Letztlich sind so die meisten fachlich gesteuerten Arbeitsprozesse auf eine allgemeingültige Projektmanagement-Methode zurückzuführen. Vorteile hat man in jedem Fall, auch Karrierevorteile. Kenntnisse in ITIL, Prince2 oder COBIT sind gute Einstiegskriterien.

Welchen Stellenwert haben Weiterbildungen? Was sollten diese beinhalten, um Projektmanager und Professionals anderer Fachrichtungen in der Projektarbeit zu stärken?

Aus Arbeitgebersicht sind Skills im Projektmanagement, zumal anerkannte Zertifizierungen, immer gut. Ob es ein Abschluss innerhalb der beruflichen Weiterbildung oder ein akademischer Studiengang ist, ist eine Fallentscheidung. Projektmanagement ist Hürdenlauf. Man muss es immer weiter trainieren, dann funktioniert es. Und man muss auch mal hinfallen und mit diesen Erfahrungen weitermachen.

Brückenbau zwischen klassischer und agiler Welt

Als Wirtschaftsuniversität ist für die FS auch der Best Practice Studien Award interessant. Wer kann sich mit welchen Themen bewerben? Aus welchen Studienrichtungen erhalten Sie die meisten Arbeiten?

Mit dem Award öffnen wir uns einem jungen Publikum. Wir möchten neugierig machen und Anreize geben, sich mit PM-Methoden zu beschäftigen. Bewerben kann sich jeder Absolvent mit einer Bachelor- oder Masterarbeit, die nach dem 1. Januar 2016 abgeschlossen wurde. Die bisherigen Gewinner haben meistens mit der Anwendung der Prince2-Methode gearbeitet. Wir hatten auch schon eine methodische Arbeit, die Awards verschiedener PM-Methoden verglichen hat. Durch die Teilnahme an dem Wettbewerb bekommen die Studenten oft mehr Selbstbewusstsein, es kann auch einen Karriereschub bedeuten. Auch hier erreichen uns die meisten Einsendungen aus den Fachrichtungen IT und Telekommunikation.

Welche Vision verfolgt der BPUG? Was meinen Sie, welchen Einfluss Digitalisierung und künstliche Intelligenz auf PM-Methoden haben werden?

Wir bilden Themen ab, die jetzt aktuell und zukunftsweisend sind. Momentan ist die Digitalisierung das bestimmende Thema. Dazu muss man aber auch sagen, dass ja bereits viele Prozesse in den Unternehmen digitalisiert sind. Wir legen den Schwerpunkt auf „New Work“, also die Art und Weise, wie sich Zusammenarbeit entwickelt. Mitarbeiter haben zwar die höchste Expertise für ihre Themen, werden aber oft in Entscheidungsprozesse nicht eingebunden. Es geht uns darum, transparente Entscheidungsprozesse auf Augenhöhe herbeizuführen. Werden Mitarbeiter gehört, ist dies eine Wertschätzung, die eine andere, positive Art der Produktivität mit sich bringt.

Was den Einfluss von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz auf PM-Methoden betrifft, verbindet zum Beispiel Prince2 Agile die Vorteile von Prince2 mit agilen PM-Methoden. Das verhindert Konflikte und bindet alles in einen Wertesystem-Wandel ein. So werden Energien freigesetzt: Es gibt einen Schub an Innovation, Ideen und Spaß. Und darauf freue ich mich – auf diesen Brückenbau zwischen der klassischen und der agilen Welt.

Sie waren gerade an der FS auf einer Veranstaltung über die SCRUM-Methode. Was hat es damit auf sich?

Die Veranstaltung stellte mehrere Aspekte vor: Erstens die Methode SCRUM und ihre konkrete Anwendung im Praxisbeispiel. Also auch wieder konkrete Erfahrungen als Best Practice. Zweitens Strategien bei der Software-Einführung auf Basis von Erfahrungswerten aus Unternehmen und drittens wurde die webbasierte PM-Software BCS, die unser Partner Projektron entwickelt hat, vorgestellt. Projektron hat seine Organisation bereits maßgeblich auf „New Work“ umgestellt. Sie führen vor, wie dies gelingt und auch, was sie ihren Mitarbeitern bieten.

Ein Blick in die Zukunft: Wie bewerten Sie zum Beispiel den Einsatz von Robotern und „New Work“ im Arbeitsalltag?

Durch „New Work“ wird Arbeit anders verteilt und Arbeitsprozesse werden sich verändern. Wir wollen diese Prozesse positiv begleiten. Angst davor, dass Roboter Mitarbeiter ablösen werden, muss man nicht haben. Es wird immer genug Arbeit geben.

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