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Frankfurt am Main, 29.11.2018 12:00:00

Thomas Mayer: „Währungsunion kann nur durch Geldreform gerettet werden“

Der ehemalige Chef-Ökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sieht in einer Reform des Geldsystems die einzige Möglichkeit zur Rettung des Euros. Die italienische Banken- und Schuldenkrise führe, so Thoomas Mayer auf der Konferenz „The Future of Money“ am 24. November 2018 an der Frankfurt School of Finance & Management, zwangsläufig zu einer Überforderung des Eurosystems mit der Gefahr eines "Bank Runs". Thomas Mayer, heute Leiter des Flossbach-von-Storch-Research-Instituts, schließt verstärkte Transfers von Norden nach Süden aus politischen Gründen als Lösung aus. Gleiches gelte für eine „Liraisierung“ des Euros, um die Schulden der Krisenländer abzubauen. Der nordeuropäische Weg des Schuldenabbaus durch Sparen sei für Italien und andere Südländer angesichts der Schuldenhöhe nicht gangbar.

Er schlägt daher ein „Great Bargaining“ zwischen den beteiligten Nationen vor, um den Euro zu retten. Dabei solle die Europäische Zentralbank (EZB) Staatschuldpapiere der Banken aufkaufen, bis sämtliche täglich fällige Bankeinlagen vollständig durch Zentralbankgeld gedeckt und somit sicher sind. Diese Staatsanleihen würden in der Bilanz der EZB stillgelegt, um die Verschuldung der Euro-Staaten deutlich unter die Maastricht-Grenze von 60 Prozent zu senken. In einem weiteren Schritt würde die Zentralbank elektronisches (Krypto-) Geld - Central Bank Digital Currency (CBDC) - emittieren, das mit dem von privaten Unternehmen erzeugte Krypto-Geld im Wettbewerb stehen sollte.

Ein deutlicher Fokus der Konferenz lag auf dem Konzept eines digitalen Bargeldes der Zentralbanken. Neben akademischen Beiträgen, die den Effekt dieser Central Bank Digital Currency (CBDC) auf das bestehende Geldsystem diskutierten, wurde das e-Krona Projekt der schwedischen Zentralbank und die Vorteile eines solchen sicheren Geldes dargestellt.

Einen Paradigmenwechsel im Geldsystem forderte auch der ehemalige Vorsitzende des Prüfungsausschuss für Wirtschafts- und Entwicklungsfragen der OECD, William White, auf der Frankfurter Konferenz. „Der Ausblick ist düster“, betonte er, „das gesamte System ist instabil.“ Europa brauche mehr Einheit, die Politik könne diese aber angesichts des wachsenden Nationalismus nicht durchsetzen. White bezeichnete die Niedrigzinspolitik als „gravierendes Problem“, sah das Basisproblem jedoch in der überschießenden Geldschöpfung der Geschäftsbanken und der einhergehenden untragbar gewordenen Schulden weltweit.

Ähnlich kritisch bewertete der ehemalige Gouverneur der spanischen Zentralbank, Miguel Fernandez Ordónez, die Geldschöpfung der privaten Banken. Er befürwortete, den Banken die Kompetenz zur Geldschöpfung zu entziehen, um das Geldsystem zu stabilisieren. Im Zuge dieser Vollgeldreform könne man das Bankengeschäft und die Kreditvergabe stark deregulieren und somit den Wettbewerb zwischen Banken, Fintechs und anderen Finanz-Intermediären stärken.

Auf der Konferenz, die von der Vollgeld-Organisation Monetative e.V., dem Frankfurt School Blockchain Center und dem International Movement for Money Reform veranstaltet wurde, referierten Notenbanker, Banker und Wissenschaftler über das bestehende Geldsystem, CBDC als Erweiterung und Geldreform in Form von Kryptogeld und Vollgeld. Unter anderem war mit Katrin Assenmacher, Leiterin der Strategieabteilung Geldpolitik, auch die Europäische Zentralbank (EZB) vertreten. Uneinig waren die Referenten darüber, ob die neue distributed Ledger Technologie Anwendung im Geldsystem finden wird.

In der abschließenden Podiumsdiskussion stimmten die Diskutanten trotz aller Divergenzen in zwei Punkten überein: Die neuen Kryptowährungen, vor allem die von Notenbanken emittierten elektronischen Währungen, würden Alltag und Geschäfte von Bürgern und Unternehmen ebenso verändern wie die Verbreitung des Internets vor zwanzig Jahren. Und: Die Debatte um die Geldschöpfung durch die privaten Banken und um die Vollgeldreform sei in der Finanzwelt angekommen. „Sie haben gewonnen“, sagte Carl Christoph Hedrich, Senior Research Manager der Commerzbank, unter Hinweis auf die sich verändernde Kommunikation der Notenbanken zur Gelderzeugung durch Geschäftsbanken und zur Debatte um alternative Geldsysteme.

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