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Frankfurt am Main, 14.02.2019 12:00:00

Lieber Professor Ecker, Glückwunsch zur neuen Position als Head of Accounting Department. Können Sie ein paar Worte über dieses Department verlieren?

Im Moment umfasst das Accounting Department acht Professoren, die das Fach mit seinen Schwerpunkten externes und internes Rechnungswesen aktiv in Forschung und Lehre vertreten. Acht Vollzeit-Studierende sind aktuell Teil der Accounting-Vertiefung des Doktorandenprogramms. 

Das Department nimmt mittlerweile in internationalen Rankings einen europäischen Spitzenplatz in der Forschung ein. In der Lehre decken wir eine grosse Bandbreite an Kursen ab, von der anwendungsorientierten Ausbildung angehender Wirtschaftsprüfer über die Vorbereitung auf Top-Jobs in Investment-Banking oder Beratung bis hin zu methodisch ausgerichteten Kursen für unsere Doktoranden. Gleichzeitig engagiert sich das Department auch in maßgeschneiderten Programmen im Bereich Executive Education.

Auf einer persönlicheren Ebene schätze ich die vorherrschende Kollegialität und Transparenz im Department sehr: Die Wege zwischen den Büros sind kurz und die Türen (fast) immer offen. 

Ihre Forschung rund um Jahresabschlussdaten aus Sicht von Kapitalmarktteilnehmern, über Informationsrisiken bei IPOs, erschienen in Top-Publikationen. Kann man diesen Forschungsgegenstand kurz und knapp zusammenfassen?

Im Prinzip geht es um die Frage, wie effizient der Aktienmarkt ist und wie sich Markteffizienz erreichen lässt, auch wenn Informationen nicht präzise und sicher sind oder sein können. Dies habe ich am Beispiel von IPOs untersucht, gerade weil diese keine lange Historie am Markt besitzen und daher die anfängliche Informationsunsicherheit auf Seiten der Investoren recht hoch ist.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein durchschnittliches IPO auf lange Sicht keinerlei Überschuss-Rendite generiert.  Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede innerhalb der Stichprobe: Firmen, deren Informationsqualität höher ist als erwartet, zeigen positive Überschuss-Renditen und werden relativ schnell korrekt vom Markt gepreist. Firmen, deren Informationsqualität schlechter als erwartet ist, zeigen Renditen unter Marktniveau, die sich wesentlich länger in die Zukunft ziehen. Dies deutet darauf hin, dass die Informationsqualität eine Rolle dabei spielt, wie Aktien gepreist werden und wie effizient das geschieht.

Woran forschen Sie ganz aktuell?

Aktuell beschäftige ich mich mit zwei Themengebieten:

Das erste Gebiet dreht sich um die Frage, inwiefern sich „Aggressivität“ in der allgemeinen Geschäftsführungspraxis auch in einer Art „Aggressivität“ bei der Berichterstattung (z.B. in Jahresabschlüssen) niederschlägt. Ein Beispiel: Nehmen wir an, ein Unternehmen hat im letzten Jahr eine Übernahme abgeschlossen, bei der ein recht hoher Firmenwert bilanziert werden musste. Das kann als Anzeichen eines hohen Preises und daher von Aggressivität im Bieterverfahren interpretiert werden.  Die Frage ist, ob Manager in anderen Bereichen des Jahresabschlusses auch aggressiv berichten, ihrer Linie also auch in der Berichterstattung treu bleiben, oder eher konservativ auftreten, um einen Ausgleich zu schaffen.

Ein zweites Gebiet ist die Validierung von verschiedenen Verfahren zur Bestimmung der Kapitalkosten.  Dieses Thema ist per se wichtig, gerade vor dem Hintergrund, dass die Literatur ein eher düsteres Bild auf bisherige Verfahren wirft. 

Professor Dr. Frank Ecker

Professor Dr. Frank Ecker

Gibt es im Rahmen von Unternehmensbewertungen neue Risiken bei hauptsächlich digital arbeitenden Unternehmen, oder wurde nach der dot.com Blase um die Jahrhundertwende dazu gelernt?

Die Frage zielt darauf ab, dass die Unsicherheit von Prognosen bei jungen Unternehmen besonders hoch ist. Im Prinzip ist das nichts Neues. Aus meiner Sicht gilt es im Bereich der Digitalisierung zu unterscheiden, inwiefern es sich um klassische Produkt- oder Serviceinnovationen handelt oder inwiefern es „nur“ um optimierte Prozesse geht. Im ersteren Fall entsteht die zusätzliche Unsicherheit, dass der „Markt“ oder der Bedarf für die neuen Produkte nicht leicht zu bestimmen ist. Im letzteren Fall beschränken sich die Probleme darauf, eine realistische Marktdurchdringung abzuschätzen. Gleichzeitig gilt es zu Bedenken, dass mit größerer Unsicherheit normalerweise auch bessere Chancen einhergehen.  Daher kann nicht einfach gesagt werden, welcher Fall einen höheren Marktwert erzielen wird. 

Allgemeine Lehren für alle Ewigkeit und über alle Investitionsklassen hinweg zu ziehen wäre verwunderlich. Für direkte Vergleiche und Rückschlüsse sind Geschäftsideen, Firmen und Rahmenbedingungen oft zu individuell. 

Welche Pläne haben sie für das Accounting Department an der FS?

Die Forschungsausrichtung des Departments ist aus meiner Sicht sehr gut ausgeprägt.  Diese gilt es zu erhalten und vielleicht weiter auszubauen. Dazu wird es gehören, die Frankfurt School als Arbeitgeber für etablierte oder aufstrebende Forscher noch attraktiver zu machen.

Gleichzeitig wollen wir als Department auch daran arbeiten, unsere Forschungsstärke besser zur Geltung zu bringen. Das geschieht einerseits durch Top-Publikationen. Andererseits sollte Forschung auch in der Lehre eine Rolle spielen. Gerade in Accounting decken wir viele relevante und interessante Fragestellungen ab. Aus meiner Sicht ist das Einbringen neuer Forschung ein Instrument, unsere Lehrangebote und Programme auf dem Hochschul-Markt zu differenzieren. 

Zu diesem Thema gehört es auch, ein erfolgreiches Doktorandenprogramm zu etablieren, also junge Forscher für das Fachgebiet zu begeistern und ihnen einen erfolgreichen Karrierestart zu ermöglichen.

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