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Frankfurt am Main, 06.09.2019 12:00:00

Der Report „Global Trends in Renewable Energy Investment (GTR)“ liefert umfassende Informationen über internationale Investitionen in erneuerbare Energien und weist frühzeitig auf unzureichende Investitionen oder Fehlentwicklungen beim Ausbau von erneuerbaren Energien (EE) hin. Heute haben Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth und Mit-Herausgeber Ulf Moslener, Professor für Sustainable Energy Finance an der Frankfurt School of Finance and Management GmbH, den Report in Berlin vorgestellt. Der aktuelle Bericht über Investitionen in Erneuerbare Energien zeigt auch, dass Deutschland in den letzten zehn Jahren mit 197 Milliarden US-Dollar am meisten Geld für nachhaltige Energieversorgung in Europa investiert hat.

Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth: „Der Report über die globalen Investitionen in Erneuerbare Energien zeigt uns als eine Art Lotsensystem, in welche Richtung sich der Energiemix entwickelt - noch bevor die CO2-Emissionen entstehen. Aus meiner Sicht sendet der diesjährige Bericht zwei klare Botschaften. Erstens: Erneuerbare Energietechnologien sind nicht nur sauber und darum eine zentrale Strategie für den Klimaschutz, sondern auch wirtschaftlich und daher attraktiv für Investoren. Die Vorteile gegenüber fossilen Energieträgern überwiegen deutlich. Zweitens: Die Investitionen müssen deutlich steigen, sonst schaffen wir die Pariser Klimaziele nicht.“

Professor Dr. Ulf Moslener, Mitherausgeber des Reports und Wissenschaftlicher Leiter des Frankfurt School-UNEP Collaborating Centre: „Obwohl die Investitionen in Stromerzeugung mit Erneuerbaren die Investitionen in Kohle- und Gaskraftwerke bereits im Jahr 2018 um ein dreifaches überstiegen, sind noch einige Schritte hin zu einem klimaneutralen Stromsektor notwendig. Vor Zehn Jahren hätte man sich kaum vorstellen können, dass Photovoltaik heute so eine starke Rolle spielt. Die Kosten von Photovoltaik sind seit 2009 um über 80 Prozent gefallen. Damit ist die Wettbewerbsfähigkeit dramatisch gestiegen. Das sollte uns für die Zukunft verdeutlichen, was innerhalb eines Jahrzehnts möglich ist.“

Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts sind:

  • Innerhalb von einem Jahrzehnt vervierfacht sich die global installierte Kapazität erneuerbarer Energien von 414 GW auf 1.650 GW. Die weltweite Investitionssumme (ohne große Wasserkraft) übersteigt 2,5 Billionen US-Dollar, wovon 272,9 Milliarden US-Dollar auf das Jahr 2018 entfallen.
     
  • In China erreichen die Investitionen seit 2009 ein Volumen von 758 Milliarden US-Dollar. Aktuell „knacken“ immer mehr Länder die Milliardengrenze bei den Investitionen.
     
  • Erneuerbare (ohne große Wasserkraft) erzeugen in 2018 fast 13 Prozent des weltweit verbrauchten Stroms und vermeiden rund 2 Milliarden Tonnen Kohlendioxidemissionen.
     
  • Deutschland ist bei den Investitionen mit Blick auf das gesamte Jahrzehnt in Europa führend und belegt weltweit Platz vier. Jedoch fallen die Investitionen in 2018 gegenüber dem Vorjahr auf die Hälfte. Einem Einbruch bei den Wind-Anlagen stehen dabei steigende Investitionen in dezentrale solare Stromerzeugung gegenüber.

In den Jahren 2009 bis 2019 wird die Weltgemeinschaft mehr als zweieinhalb Billionen US-Dollar in erneuerbare Energie zur Stromerzeugung (ohne große Wasserkraft) investieren. Solarstrom-Kapazitäten stellt alle Technologien – einschließlich Kohle – in den Schatten. Sie wachsen von 25 Gigawatt (GW) in 2009 auf voraussichtlich 663 GW bis Ende 2019. Auf Platz zwei liegen Kohlekraftwerke (529 GW) gefolgt von Wind und Gaskraftwerken (487 bzw. 438 GW). Diese Investitionen haben den Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch 2018 weltweit auf etwa 12,9 Prozent, gegenüber 11,3 Prozent im Vorjahr, erhöht.

Gegenüber 2017 sinken die Investitionen in 2018 um etwa 12 Prozent auf 272,9 Milliarden US-Dollar. Gründe sind unter anderem sinkende Solarinvestitionen in China (minus 38 Prozent auf 88,5 Milliarden US-Dollar) und – wie in den vergangenen Jahren – weiter fallende Kosten für Solar- und Windkraftanlagen. Trotz allem gehen in 2018 rund 167 GW Kapazität auf Basis Erneuerbarer ans Netz, mehr als je zuvor und leicht über den 160 GW des Vorjahres. Dennoch werden in 2018 zum fünften Mal in Folge mehr als 250 Milliarden US-Dollar in Erneuerbare investiert.

In allen vier Ländern mit dem größten Investitionsvolumen in Erneuerbare-Kapazität sind in 2018 Rückgänge zu verzeichnen. China investiert 88,5 Milliarden US-Dollar, 38 Prozent weniger als im Vorjahr. In den Vereinigten Staaten sinken die Investitionen auf 42,8 Milliarden US-Dollar. Japan und Indien folgen mit 16,6 Milliarden bzw. 11 Milliarden US-Dollar – Minus 17 und 15 Prozent. Mit einem Investitionsrückgang um 52 Prozent fällt Deutschland mit 6,3 Milliarden US-Dollar auf Platz acht. In Europa ist ein Zuwachs um 45 Prozent auf rund 60 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen.

Für Deutschland sind die sinkenden Investitionszahlen auf einen Einbruch bei den Wind-Investitionen zurückzuführen: Im Jahr 2018 wird erstmals seit rund zehn Jahren keine signifikante off-shore Finanzierung abgeschlossen. Auch im on-shore Bereich gibt es Verzögerungen in der Genehmigungspraxis. Gegenüber Wind hat jedoch die Investition in dezentrale Photovoltaik in Deutschland wieder an Fahrt gewonnen. Hier haben sich die Investitionen gegenüber dem Vorjahr um über 60 Prozent auf etwa 2,9 Milliarden US-Dollar erhöht.

Der Blick auf alle Länder zeigt, dass sich das Wachstum der Investitionen deutlich verbreitert: In 2016 haben 21 Länder über 1 Milliarde US-Dollar in Erneuerbare-Kapazitäten investiert. In 2017 waren es bereits 25 und in 2018 sind es 29 Länder. Weitere elf Länder haben in 2018 die 500-Millionen-Dollar Grenze überschritten.

Nach Regionen verzeichnet der Mittlere Osten zusammen mit Afrika den größten Zuwachs an Investitionen. Die Länder investieren gemeinsam 16,1 Milliarden US-Dollar – ein Zuwachs um 61 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch in Asien, China und Indien ausgenommen, steigen die Investitionen um 14 Prozent auf 31,8 Milliarden US-Dollar.

„Trotz eines Investitonsrückganges bei den vier führenden Ländern erkennen wir, dass sich insgesamt bei immer mehr Staaten auf dem Gebiet der nachhaltigen Energieversorgung einiges tut. Wenn jetzt 40 Länder mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar in Erneuerbare investieren, zeigt dies ganz klar – die Erneuerbaren sind zu einem echten globalen Trend geworden,“ sagt Dr. Christine Grüning, Senior Projekt Managerin bei der Frankfurt School.

Der seit 2007 erscheinende GTR ist der maßgebende Jahresbericht in diesem Bereich und wird von der Frankfurt School of Finance and Management GmbH – UNEP Collaborating Centre gemeinsam mit Bloomberg New Energy Finance (BNEF) produziert und vom Bundesumweltministerium mitfinanziert. Der GTR richtet sich an die Climate Finance Community, politische Entscheidungsträger, Investoren, NGOs und angewandte Forschung. Auch führende internationale Organisationen im Bereich EE wie die IRENA und REN21 nutzen die Zahlen dieses Berichts für ihre Arbeit.

Der „Global Trends in Renewable Energy Investment“ Report 2019 (GTR) steht zum kostenfreien Download zur Verfügung.

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Das UNEP Collaborating Centre „Climate & Sustainable Energy Finance” an der Frankfurt School

Aufgabe und Ziel des Centre ist es, kosteneffiziente Wege und Instrumente zur Reduktion von CO2-Emissionen zu entwickeln, Investitionen in nachhaltige Energien zu mobilisieren und die jeweiligen Märkte – vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern – zu stärken. Das FS-UNEP Centre arbeitet hierfür mit Finanzinstitutionen zusammen, um technisches Know-how sowie innovative Finanzierungsansätze für Unternehmen und Endverbraucher zu entwickeln. Kernaktivitäten sind die Übernahme von Beratungsprojekten, Aus- und Weiterbildung sowie Forschung. Damit deckt das Centre alle Aktivitäten eines modernen Think and Do Tanks für globale Fragestellungen der Klimafinanzierung und Nachhaltige-Energie-Investitionen ab. Die Frankfurt School verfügt über langjährige und breite Erfahrungen mit Forschungs-, Beratungs- und Trainingsprojekten zu allen Fragen der Entwicklungsfinanzierung in Entwicklungs- und Schwellenländern. Damit stärkt sie den Finanzsektor vor Ort und übernimmt Beratungs- und Trainingsmandate zu Energieeffizienz- und Erneuerbare-Energiefragen in aller Welt.

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