Die Exponierung von US-Banken gegenüber Klimatransitionsrisiken
Hier ist der vollständige Text auf Deutsch:
- Die Forschenden untersuchen die Risiken von US-Banken im Zusammenhang mit dem Klimawandel-Übergang und haben ein Maß mit der Bezeichnung Climate Transition Risk Exposure (CTRE) entwickelt.
- Die Ergebnisse zeigen, dass das durchschnittliche Klimatransitionsrisiko nach dem Pariser Abkommen 2015 zurückgegangen ist. Dieser Rückgang ist jedoch hauptsächlich auf eine Umschichtung der Kreditportfolios hin zu Kreditnehmern mit niedrigen Emissionen zurückzuführen – und nicht auf eine Verringerung von Krediten an Unternehmen mit hohen Emissionen.
Eine Studie von Forschenden der Frankfurt School of Finance & Management sowie der Universität Zürich und des Swiss Finance Institute zeigt, dass US-Banken zunehmend Klimatransitionsrisiken ausgesetzt sind. Diese Risiken ergeben sich aus dem CO₂-Fußabdruck ihrer syndizierten Kreditportfolios und verdeutlichen die Verwundbarkeit des Finanzsektors gegenüber regulatorischen Veränderungen und klimabezogenen Rechtsstreitigkeiten.
Die Studie mit dem Titel „Climate Transition Risks of Banks“ stellt ein neuartiges Bottom-up-Maß zur Erfassung der Exponierung von Banken gegenüber Klimatransitionsrisiken vor: das Climate Transition Risk Exposure (CTRE). Dieses basiert auf dem CO₂-Fußabdruck der Kreditnehmer von 34 großen US-Banken.
Banken sind Klimarisiken ausgesetzt, wenn sie Kredite an Unternehmen vergeben, die von physischen oder Transitionsrisiken betroffen sind. Physische Risiken beziehen sich auf klimabedingte Schocks, während Transitionsrisiken regulatorische Änderungen oder klimabezogene Rechtsstreitigkeiten umfassen. Beide erhöhen die Ausfallwahrscheinlichkeit der Kreditnehmer und damit das Risiko der Kreditportfolios von Banken.
Auf Grundlage des CTRE-Maßes gehen die Forschenden der Frage nach: „Welche Schritte unternehmen US-Banken aktiv, um dem Pariser Abkommen nachzukommen und die Dekarbonisierung der Wirtschaft zu unterstützen?“
Die Ergebnisse zeigen, dass das durchschnittliche Klimatransitionsrisiko nach dem Pariser Abkommen im Jahr 2015 zurückgegangen ist. Die Forschenden belegen jedoch, dass dieser Rückgang hauptsächlich durch eine Umschichtung der Kreditportfolios hin zu emissionsärmeren Kreditnehmern zustande kam und nicht durch eine Verringerung der Kreditvergabe an emissionsintensive Unternehmen. Banken mit höheren Transitionsrisiken machen in Analystenkonferenzen vermehrt klimabezogene Angaben – jedoch meist nur dann, wenn sie von Analysten darauf angesprochen werden, nicht jedoch freiwillig in ihren Geschäftsberichten. Zudem betreiben Banken mit hoher Exponierung gegenüber Klimatransitionsrisiken aktives Lobbying gegen strengere Klimapolitiken. Darüber hinaus weisen Banken mit einem höheren Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder geringere Transitionsrisiken auf, was auf einen positiven Zusammenhang zwischen Geschlechterdiversität und Umweltperformance hindeutet.
„Die Studie verdeutlicht die Herausforderungen, denen Banken beim Management von Klimatransitionsrisiken gegenüberstehen. Diese sind komplex zu identifizieren, zu bewerten und abzusichern“, sagt Professor Dr. Sascha Steffen. „Dies liegt an der systemischen Natur dieser Risiken, unzureichenden Unternehmensangaben und einem Mangel an geeigneten Absicherungsinstrumenten. Da Zentralbanken den Klimawandel zunehmend in ihre regulären Stresstests einbeziehen, erhöht das sich wandelnde regulatorische Umfeld den Druck auf Banken, ihre gemeldeten Klimarisiken transparent darzulegen.“
Die Forschenden betonen außerdem, dass ihre Ergebnisse für Banken, Regulierungsbehörden und weitere Stakeholder von großer Bedeutung sind, um die komplexen Herausforderungen von Klimatransitionsrisiken zu bewältigen und zu einer nachhaltigen Finanzzukunft beizutragen. Ein besseres Verständnis dieser Risiken hilft dabei, die Auswirkungen strengerer Klimapolitiken auf den Bankensektor und die Finanzstabilität einzuschätzen.
Den vollständigen Bericht finden Sie hier.
Über die Autoren:
Felix Martini, Professor Dr. Sascha Steffen und Carola Theunisz sind an der Frankfurt School of Finance & Management tätig. Professor Dr. Zacharias Sautner ist mit der Universität Zürich und dem Swiss Finance Institute verbunden.