Transition Finance in Deutschland und China

Die Frankfurt School of Finance & Management (FS) und die Institutes of Science and Development der Chinese Academy of Sciences (CASISD) haben im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eine deutsch-chinesische Gemeinschaftsstudie zur Transition Finance durchgeführt.
Die Studie ist ein Meilenstein für das deutsch-chinesische Verständnis von Transition Finance, und ihre Ergebnisse haben weitreichende Implikationen für öffentliche und private Marktakteure. Sie enthält politische Handlungsempfehlungen, die den Weg für die Entwicklung eines stärkeren Transition-Finance-Marktes ebnen und einen fairen sowie inklusiven Übergang zur Klimaneutralität in der chinesischen und deutschen Wirtschaft beschleunigen sollen. Ziel der Studie ist es, unter dem G20-Rahmen ein gemeinsames Verständnis von Transition Finance in China und Deutschland zu entwickeln. Darüber hinaus untersucht der Bericht zentrale Herausforderungen bei der Entwicklung und Umsetzung von Transition Finance sowie bestehende Initiativen und aktuelle Marktpraktiken, die darauf abzielen, den Übergang zu einer Netto-Null-Wirtschaft zu beschleunigen.
Green Finance und Transition Finance – eine Definition
Green Finance richtet sich auf Aktivitäten oder Unternehmen, die bereits heute einen positiven Einfluss auf Klima und Umwelt haben. Transition Finance hingegen zielt darauf ab, den Dekarbonisierungspfad emissionsintensiver und schwer zu dekarbonisierender Sektoren über einen längeren Zeitraum zu unterstützen. Es ist daher wichtig zu verstehen und anzuerkennen, dass Transition Finance heute auch „schmutzige“ Lösungen umfassen kann – sofern ein robuster und glaubwürdiger Transformationsplan vorliegt, der diese Lösungen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten im Einklang mit den globalen Klimazielen umgestaltet. So kann beispielsweise Erdgas in der Schwerindustrie als Übergangstechnologie betrachtet werden, um Geschäftsrisiken zu reduzieren, während parallel in Forschung und Entwicklung zur Nutzung von grünem Wasserstoff als Ersatzenergieträger investiert wird.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Herausforderungen bei der Definition von Transition Finance: „Glaubwürdige Transformationspfade basieren auf verlässlichen und vergleichbaren Daten zur Umweltperformance von Transition-Finance-Projekten sowie auf klarer Rechenschaftspflicht hinsichtlich ihrer Wirkung. Hier besteht weiterhin Bedarf an Wissensaustausch, um sich entwickelnde Transformationspfade mitzugestalten“, erläutert Hauptautorin Sheryl Loh von den International Advisory Services (IAS) der Frankfurt School. Michael König-Sykorova, Co-Autor vom Frankfurt School – UNEP Collaborating Centre for Climate & Sustainable Energy Finance, ergänzt: „Das Verständnis dieser dringenden Herausforderungen ist entscheidend, um Transition Washing zu vermeiden, eine wirksame Politikgestaltung zu ermöglichen und den Weg für eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Marktakteuren zu ebnen.“
Empfehlungen für politische Entscheidungsträger und weitere Akteure
Die in dieser Studie gewonnenen Erkenntnisse dienen einer Vielzahl von Akteuren in zweifacher Hinsicht. Erstens stellt das Fehlen einer harmonisierten Definition sowie geeigneter Standards – wie im Bericht betont – einen klaren Handlungsauftrag an nationale und internationale Regulierungsbehörden dar. Zweitens ermöglicht die Analyse Finanzmarktteilnehmern und akademischen Institutionen ein vertieftes Verständnis bestehender Marktinstrumente und deren Anwendung in Deutschland und China.
