Internationale Board-Perspektive: Vielfalt statt Stereotypen

11. Dezember 2025Research Centre
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Corporate Governance Working Breakfast an der Frankfurt School

Im Rahmen des Corporate Governance Working Breakfast (CGWB) diskutierten Expertinnen und Experten am 13. November 2025 aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen internationaler Aufsichtsgremien. Zu Gast war Dr. Dorothea Wenzel, Wirtschaftsinformatikerin und Gesundheitsökonomin mit langjähriger internationaler Führungserfahrung im Pharmasektor. Gastgeberinnen der Reihe sind Professorin Dr. Julia Redenius-Hövermann, Professorin für Bürgerliches Recht und Unternehmensrecht an der Frankfurt School, und Sabrina Biedenbach, Board Office Biedenbach.  

Dorothea Wenzel zeigte auf, dass viele verbreitete Annahmen über internationale Governance-Systeme – etwa zu Handlungsspielräumen oder Haftungsfragen – stark vereinfacht seien. Entscheidend sei weniger das formale System als die gelebte Rolle der Mitglieder. Auch die Einbindung von Arbeitnehmervertreterinnen und -vertretern könne wichtige Mehrwerte schaffen. 

Strategische Verantwortung, Haftungsfragen und Vergütungsstrukturen 

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der strategischen Verantwortung des Aufsichtsrats. Für wirksame mittelfristige und langfristige Entscheidungen müsse das Gremium Markttrends, Wettbewerbsumfeld und zentrale Risiken verstehen. Formale Zuständigkeiten dürften dabei nicht als Grenze für engagierte und zukunftsorientierte Aufsichtsratsarbeit dienen. Zudem beleuchtete Dorothea Wenzel internationale Haftungsrisiken – insbesondere in den USA, wo Class Actions häufig Governance-Aspekte betreffen – sowie unterschiedliche Vergütungsansätze. Vergütung solle jedoch niemals der entscheidende Anreiz für ein Mandat sein.  

Praxisbeispiele: Qualifikationsmatrix und Strategieworkshop 

Anhand zweier Praxisbeispiele zeigte die Referentin, wie Governance in der Anwendung konkret wirksam werden kann: Eine Qualifikationsmatrix könne sicherstellen, dass in kritischen Situationen zentrale Kompetenzen – etwa Finanzexpertise oder technologische Kenntnisse – im Gremium vorhanden sind. Ein Strategieworkshop aus dem dänischen Kontext illustrierte zudem, wie ein Aufsichtsrat mithilfe externer Perspektiven strategische Szenarien entwickeln und so ein gemeinsames Verständnis zu Chancen und Risiken schaffen kann.   

In der anschließenden Q&A-Session diskutierten die Teilnehmenden Fragen zur Investorenkommunikation, zu Interessenkonflikten, zu regulatorischen Entwicklungen sowie zu den Anforderungen an zukünftige Aufsichtsratsmitglieder – insbesondere im Hinblick auf aktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz. 

Das Protokoll zum Corporate Governance Working Breakfast können Sie hier herunterladen.  

Nicole Clos

Managerin Unternehmenskommunikation
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Nicole Clos