Gesamtkosten im Krypto-Handel für Privatanleger

Eine empirische Analyse von Kostenstrukturen und Anbieterunterschieden im deutschen Kryptomarkt
In ihrer Studie analysieren Professor Dr. Co-Pierre Georg und das Frankfurt School Centre for Digital Economics in Zusammenarbeit mit INTAS.tech die Gesamtkosten im Krypto-Handel für Privatanleger im deutschen Markt. Ziel der Untersuchung ist es, Transparenz über die tatsächliche Kostenbelastung beim Handel mit Kryptowerten zu schaffen und Unterschiede zwischen verschiedenen Anbietern systematisch zu erfassen.
Die Gesamtkosten im Krypto-Handel stellen einen wesentlichen Einflussfaktor für die Nettorendite von Privatanlegern dar. Neben expliziten Handelsgebühren wirken insbesondere Spreads – also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis – sowie volumenabhängige Effekte auf die tatsächlichen Kosten. Trotz der zunehmenden Nutzung app-basierter Handelsplattformen bleibt die Gesamtkostenstruktur für viele Nutzer nur eingeschränkt nachvollziehbar.
Im Zentrum der Untersuchung steht ein vergleichender Ansatz auf Basis standardisierter Roundtrips, bei denen derselbe Kryptowert gekauft und unmittelbar wieder verkauft wird. Insgesamt wurden 432 solcher Transaktionen über die mobilen Anwendungen von neun MiCAR-regulierten Anbietern durchgeführt. Betrachtet wurden die Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, Ripple, Solana, Chainlink und Avalanche sowie zwei Ordervolumina von 100 Euro und 500 Euro, um sowohl allgemeine Kostenniveaus als auch volumenabhängige Effekte zu untersuchen.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede im Kostenniveau zwischen den untersuchten Anbietern. Die durchschnittlichen Gesamtkosten eines Roundtrips variieren erheblich und reichen von rund 0,53 % bis 6,45 %. Während Anbieter wie Bitvavo besonders niedrige Kosten aufweisen, liegen Plattformen wie Coinbase deutlich über dem Durchschnitt. Insgesamt ergibt sich eine Spannweite von mehr als sechs Prozentpunkten, was auf erhebliche Unterschiede in den zugrunde liegenden Kostenstrukturen hinweist.
Ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtkosten sind neben expliziten Handelsgebühren insbesondere Spreads, die häufig nicht separat ausgewiesen werden, jedoch einen signifikanten Einfluss auf die tatsächliche Kostenbelastung haben. Die Analyse verdeutlicht damit die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Betrachtung aller Kostenkomponenten im Krypto-Handel.
Hinsichtlich der Volumenabhängigkeit zeigt sich kein einheitliches Muster. Für die Mehrheit der Anbieter bleiben die relativen Kosten zwischen den untersuchten Ordergrößen weitgehend stabil. Dies deutet darauf hin, dass Skaleneffekte im Krypto-Handel für Privatanleger nur begrenzt wirksam sind und die Kostenstruktur in vielen Fällen unabhängig vom Ordervolumen bleibt.
Insgesamt unterstreicht die Studie die Bedeutung von Transparenz und Vergleichbarkeit im Krypto-Handel. Für Privatanleger wird deutlich, dass die Wahl des Handelsanbieters einen erheblichen Einfluss auf die tatsächlichen Kosten und damit auf den Anlageerfolg hat. Gleichzeitig liefern die Ergebnisse zentrale Implikationen für Anbieter und Regulatoren, insbesondere im Hinblick auf die Offenlegung und Standardisierung von Kosteninformationen.