Pension Liquidity Risk: Wie Zinsabsicherung neue Risiken für Pensionsfonds schafft

18. Juni 2026 • Forschung
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Eine empirische Untersuchung der Liquiditätsrisiken, die durch Zinsabsicherung entstehen können

Pensionsfonds nutzen häufig Zinsswaps, um das Zinsrisiko ihrer langfristigen Verpflichtungen gegenüber Rentnern abzusichern. Diese Strategie hilft, die Auswirkungen von Zinsänderungen auf ihre Verbindlichkeit zu begrenzen, kann jedoch gleichzeitig neue Risiken mit sich bringen.

Vor diesem Hintergrund untersuchen Kristy A.E. Jansen, Sven Klingler, Angelo Ranaldo und Patty Duijm, wie die Nutzung von Zinsswaps Pensionsfonds unter Liquiditätsdruck setzen kann und welche Auswirkungen dies auf die Finanzmärkte hat.

Die Studie basiert auf detaillierten Aufsichtsdaten niederländischer Pensionsfonds aus den Jahren 2012 bis 2022. Die Daten umfassen Informationen zu Vermögenswerten, Verbindlichkeiten, Anleihebständen und Derivateposition und ermöglichen damit einen umfassenden Einblick in die Risikostruktur der Fonds.

Die Ergebnisse zeigen zunächst, dass Pensionsfonds mit niedrigeren Finanzierungsquoten besonders intensiv auf Zinsswaps zurückgreifen. Während diese Instrumente das Zinsrisiko der Verbindlichkeiten reduzieren, erhöhen sie zugleich die Anfälligkeiten für sogenannte Magin Calls. Steigen die Zinsen, verlieren die Swap-Positionen an Wert und die Fonds müssen zusätzliche Sicherheiten hinterlegen, um ihre Derivatepositionen aufrechtzuerhalten.

Die Analyse zeigt, dass diese Margin Calls erhebliche Größenordnungen erreichen können. In Phasen stark steigender Zinsen entsprechen sie im Durchschnitt rund drei Prozent des gesamten Fondsvermögens und können in Extremfällen mehr als sechs Prozent der Vermögenswerte ausmachen. Für viele Fonds übersteigen diese Anforderungen die verfügbaren Liquiditätsreserven.

Um die erforderlichen Sicherheiten bereitzustellen, verkaufen die Fonds vor allem ihre liquidesten Vermögenswerte. Nach dem Abbau von Geldmarktanlagen werden insbesondere sichere Staatsanleihen mittlerer Laufzeit veräußert. Dabei handelt es sich vor allem um deutsche und niederländische Staatsanleihen, die aufgrund ihrer hohen Liquidität besonders leicht gehandelt werden können.

Ein zentraler Befund der Studie, ist dass diese Verkäufe nicht ohne Folgen für die Finanzmärkte bleiben. Die erzwungenen Anleiheverkäufe führen zu sinkenden Preisen der betroffenen Wertpapiere und verstärken bestehenden Marktbewegungen. Dadurch können Entscheidungen einzelner Pensionsfond Auswirkungen auf den gesamten Anleihemarkt haben.

Die Autoren argumentieren, dass hier ein bislang wenig beachteter Zielkonflikt entsteht.

Regulatorische Vorgaben sollen die Stabilität von Pensionsfonds erhöhen, können über die Nutzung von Derivaten jedoch gleichzeitig neue Liquiditätsrisiken schaffen.

In Phasen steigender Zinsen können Pensionsfond daher trotz ihres langfristigen Anlagenhorizonts zu prozyklischen Verkäufen gezwungen werden.

Insgesamt zeigt die Studie, dass Zinsswaps zwar ein wirksames Instrument zur Steuerung von Zinsrisiken darstellen, gleichzeitig jedoch erhebliche Liquiditätsrisiken verursachen können. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Absicherung von Risiken nicht zwangsläufig zu mehr Stabilität führt, sondern unter bestimmten Bedingungen selbst neue Risiken für Pensionsfond und die Finanzmärkte erzeugen kann.

Sven Klingler

Associate Professor im Department of Finance
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