Bewertungsdruck bei Private Credit steigt: Jede zehnte Kreditposition in US-BDC-Portfolios unter 90 Prozent des Nennwerts

02. November 2026 • Forschung
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Neuer Private Credit Radar von Prof. Dr. Sascha Steffen zeigt zunehmende Abwertungen, mehr Kredite ohne laufende Zinsabgrenzung und häufigere Wechsel zu Payment-in-Kind

Der Bewertungsdruck im US-Private-Credit-Markt nimmt zu: Zum 30. Juni 2026 bewerteten US-amerikanische Business Development Companies (BDCs) 10,3 Prozent ihrer Kreditpositionen mit weniger als 90 Prozent des Nennwerts. Ein Jahr zuvor waren es 7,7 Prozent. Damit stieg der Anteil innerhalb von zwölf Monaten um rund ein Drittel. Das zeigt der neue Private Credit Radar, den Prof. Dr. Sascha Steffen, Professor of Finance an der Frankfurt School of Finance & Management und Direktor des Centre for European Transformation, heute erstmals veröffentlicht hat. Die Auswertung umfasst zum Stand Mitte 2026 insgesamt 36.443 Kreditpositionen bei 7.063 Kreditnehmern.

Auch weitere Indikatoren weisen auf zunehmende Belastungen im Private-Credit-Markt hin. Der Anteil der Kreditpositionen, die mit weniger als 80 Prozent ihres Nennwerts bewertet werden, stieg zwischen Juni 2025 und Juni 2026 von 4,3 auf 5,9 Prozent. Kredite ohne laufende Zinsabgrenzung (Non-Accrual) erreichten 1,83 Prozent der Anschaffungskosten, gegenüber 1,29 Prozent im Vorjahr. Im zweiten Quartal 2026 wechselten zudem 1,45 Prozent der Kredite von Barzinszahlungen auf Payment-in-Kind (PIK), bei dem Zinsen nicht unmittelbar in bar gezahlt, sondern dem Kredit zugeschlagen werden. Im Vorjahresquartal lag dieser Anteil bei 1,15 Prozent.

Die Entwicklung zeigt sich über unterschiedliche Marktsegmente hinweg. Börsennotierte BDCs bewerteten Mitte 2026 insgesamt 12,8 Prozent ihrer Kreditpositionen unter 90 Prozent des Nennwerts, nicht börsennotierte BDCs 9,3 Prozent. In beiden Segmenten nahm der Anteil gegenüber dem Vorjahr um knapp drei Prozentpunkte zu. Auch bei den BDCs, die seit 2023 durchgehend quartalsweise berichten, stieg der Anteil innerhalb eines Jahres deutlich, von 8,2 auf 11,4 Prozent. Der zunehmende Bewertungsdruck lässt sich somit nicht durch neu hinzugekommene Fonds erklären.

„Ausfallquoten zeigen häufig erst spät, dass ein Kredit unter Druck geraten ist. Unsere Daten machen sichtbar, wie sich Risiken bereits vorher aufbauen: Kredite werden niedriger bewertet, Zinsen kapitalisiert und Konditionen angepasst. Der Private Credit Radar verfolgt diese Entwicklungen auf Ebene einzelner Kreditpositionen und zeigt, wo Stress entsteht, bevor ein Kreditnehmer nicht mehr zahlt“, sagt Sascha Steffen.

Kreditrisiken erkennen, bevor es zu Zahlungsausfällen kommt

Der Private Credit Radar wurde am Centre for European Transformation der Frankfurt School entwickelt. Er wertet die bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Beteiligungsverzeichnisse (Schedules of Investments) von 160 BDCs systematisch aus und verfolgt einzelne Kreditpositionen seit März 2023 von Quartal zu Quartal. So lassen sich Veränderungen in den Bewertungen und weitere Hinweise auf eine Verschlechterung der Kreditqualität über die Zeit nachvollziehen.

Der Radar zeigt sechs Indikatoren in der Reihenfolge, in der Stress sichtbar wird: den Anteil der Positionen unter 90 und unter 80 Prozent des Nennwerts, die Breite der Abwertungen, die Bewertungsabweichung zwischen Managern beim selben Kreditnehmer, Wechsel zu PIK, Restrukturierungen unter Stress und Non-Accrual. Die Werte werden für alle erfassten Fonds, für ein konstantes Fondspanel sowie getrennt für börsennotierte und nicht börsennotierte BDCs ausgewiesen.

Auch für europäische Finanzinstitute relevant

Der europäische Private-Credit-Markt ist deutlich weniger transparent als das öffentlich berichtende US-BDC-Segment. Vergleichbare, systematisch aufbereitete und öffentlich zugängliche Daten auf Ebene einzelner Kreditpositionen gibt es in Europa nicht. Die US-Daten liefern deshalb auch europäischen Banken, Versicherern und Pensionsfonds wichtige Anhaltspunkte, um die Entwicklung von Kreditrisiken im Private-Credit-Markt besser einzuschätzen.

„Bislang ist es aufwendig, die umfangreichen BDC-Berichte systematisch auszuwerten und Veränderungen bei einzelnen Krediten über mehrere Quartale nachzuvollziehen. Mit dem Private Credit Radar machen wir diese Informationen in einer einheitlichen Auswertung öffentlich zugänglich und schaffen damit mehr Transparenz über die Entwicklung von Kreditrisiken“, sagt Steffen.

Zum 30. Juni 2026 hielten die erfassten US-BDCs Kredite an 686 europäische Unternehmen. Der Private Credit Radar wird künftig quartalsweise aktualisiert. Die nächste Ausgabe am 14. Dezember 2026 erweitert die Auswertung um Daten zum 30. September 2026 und weist erstmals die europäischen Kreditnehmer in den Portfolios der US-BDCs gesondert aus. Im Januar 2027 folgt eine Auswertung zu nicht gezogenen Kreditlinien von Kreditnehmern, die bereits unter Stress stehen.

Weitere Informationen

Die Ergebnisse des Private Credit Radars sowie eine Beschreibung der Datenbasis und Methodik sind frei zugänglich unter:

Die Indikatorreihen stehen nach Registrierung als CSV-Datei zum Download bereit.

Sascha Steffen stellt die Ergebnisse zudem am 10. November 2026 um 17:00 Uhr MEZ im Webinar „Reading the Radar“ vor. Anmeldelink: https://applyexec.frankfurt-school.de/e/6ae22ccff398a6b42b9ec7f7 

Sascha Steffen

Professor für Finance
069 154008-794
Sascha Steffen