Wenn Board-Mitglieder zur Herausforderung werden

06. Mai 2026 • Forschung
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Eine Analyse von Verhaltensmustern und Governance-Dynamiken in Unternehmensboards

Die Effektivität von Unternehmensboards hängt maßgeblich von der Qualität der Interaktion zwischen ihren Mitgliedern ab. In ihrer Studie analysieren Marianna Zangrillo, Thomas Keil und Stevo Pavićević typische Verhaltensmuster, die die Funktionsfähigkeit von Aufsichtsgremien beeinträchtigen können und zeigen auf, wie Boards diesen Herausforderungen begegnen. Grundlage der Untersuchung sind qualitative Interviews mit über 120 Board Chairs und Directors aus verschiedenen Branchen und Ländern.

Im Zentrum der Analyse steht die Beobachtung, dass einzelne Board-Mitglieder durch ihr Verhalten die Effektivität von Diskussionen und Entscheidungsprozessen erheblich beeinflussen können. Solche Dynamiken äußern sich häufig in wiederkehrenden Verhaltensmustern, die zu ineffizienten Diskussionen, Verzögerungen und einer insgesamt geringeren Entscheidungsqualität führen.

Die Studie identifiziert drei zentrale Typen schwieriger Board-Mitglieder: sogenannte „passive passengers“, „dominators“ und „misguided experts“. Passive Mitglieder beteiligen sich nur eingeschränkt an Diskussionen und bringen ihr Wissen nicht aktiv ein, wodurch wichtige Perspektiven ungenutzt bleiben. Dominante Mitglieder neigen dazu, Diskussionen zu kontrollieren und andere zu überlagern, wodurch die Vielfalt an Meinungen eingeschränkt wird. Misguided experts verfügen zwar über umfangreiche Fachkenntnisse, fokussieren sich jedoch häufig auf Detailfragen und verlieren dabei die strategische Gesamtperspektive aus dem Blick.

Trotz ihrer unterschiedlichen Ausprägungen haben diese Verhaltensmuster ähnliche Auswirkungen: Sie verlangsamen Entscheidungsprozesse, erschweren eine ausgewogene Diskussion und können das Vertrauen innerhalb des Boards beeinträchtigen. In der Folge wird es für Aufsichtsgremien schwieriger, ihre zentrale Rolle bei der strategischen Steuerung und Kontrolle von Unternehmen effektiv wahrzunehmen.

Vor diesem Hintergrund entwickelt die Studie einen praxisorientierten Handlungsrahmen für den Umgang mit schwierigen Board-Mitgliedern. Ein zentraler Ansatz besteht darin, klare Erwartungen an Verhalten und Zusammenarbeit zu definieren und gemeinsame Normen für Diskussion und Entscheidungsfindung zu etablieren. Darüber hinaus wird die Bedeutung frühzeitiger und konstruktiver Feedbackprozesse hervorgehoben, um problematische Verhaltensweisen frühzeitig zu adressieren.

Ein weiterer wichtiger Hebel liegt in der Gestaltung von Strukturen und Prozessen innerhalb des Boards. Durch klar definierte Agenden, strukturierte Diskussionsformate und eine gezielte Moderation können Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine ausgewogene Beteiligung fördern und unproduktive Dynamiken reduzieren. In Fällen, in denen sich Verhaltensprobleme nicht lösen lassen, kann eine Eskalation bis hin zur Ablösung einzelner Mitglieder erforderlich sein.

Besondere Bedeutung kommt der Rolle des Chair zu, der als Moderator und Koordinator der Boardarbeit fungiert. Er sorgt für ein ausgewogenes Diskussionsklima, integriert unterschiedliche Perspektiven und stellt die Qualität der Entscheidungsprozesse sicher. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass auch der Chair selbst Teil problematischer Dynamiken sein kann, insbesondere bei dominanten Verhaltensweisen, was kollektive Gegenmaßnahmen erforderlich macht.

Insgesamt verdeutlicht die Studie, dass die Leistungsfähigkeit von Boards nicht allein von der individuellen Expertise ihrer Mitglieder abhängt, sondern wesentlich durch deren Zusammenspiel geprägt wird. Effektive Boards zeichnen sich weniger durch das Fehlen schwieriger Persönlichkeiten aus als durch ihre Fähigkeit, mit unterschiedlichen Verhaltensweisen konstruktiv umzugehen, diese zu nutzen und in produktive Entscheidungsprozesse zu integrieren.

Tanja Bozovic

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Stevo Pavićević

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