Frankfurt-School-Studie: Handelskosten von Kryptobroker-Apps unterscheiden sich erheblich, Regulierung hat kaum Einfluss

- Feldexperiment mit mehr als 2.000 Transaktionen bei sechs großen Retailbrokern zeigt deutliche Kostenunterschiede
- Die tatsächlichen Kosten des Kryptohandels für Privatanleger können die beworbenen Kosten deutlich übersteigen
- Eine MiCA-Registrierung führt nicht zu systematisch niedrigeren Handelskosten
Die Kosten für den Handel mit Kryptowährungen unterscheiden sich je nach Broker erheblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Forschungsstudie von Professor Dr. Olaf Stotz, Professor für Asset Management und Pension Economics an der Frankfurt School of Finance & Management, die im Auftrag von flatexDEGIRO durchgeführt wurde. In einem einjährigen Feldexperiment untersuchte Stotz die tatsächlichen Handelskosten für Bitcoin, Ethereum und Dogecoin bei den Retailbrokern Bison, Bitpanda, flatex, N26, Smartbroker und Trade Republik.
Die bereinigten Round-Trip-Kosten – die Kosten für Kauf und anschließenden Verkauf einer Kryptowährung unter Berücksichtigung des Marktspreads – lagen durchschnittlich je nach Broker zwischen 123 und 458 Basispunkten (wobei flatex der günstigste und Bitpanda und N26 die teuersten Broker sind) und damit zum Teil deutlich über den beworbenen Kosten. Bei einzelnen Transaktionen überschritten sie 500 Basispunkte, im günstigsten beobachteten Fall lagen die Kosten bei nur 115 Basispunkten. Der größte Teil dieser Kosten lässt sich der Studie zufolge nicht durch den zeitgleichen Spread am Kryptomarkt erklären. An der als Benchmark herangezogenen Kryptobörse Tradias betrug der Spread bei Bitcoin und Ethereum lediglich rund 16 Basispunkte, bei Dogecoin etwa 34 Basispunkte. Ein wesentlicher Teil der Handelskosten entsteht durch Kosten auf Brokerseite.
Professor Dr. Olaf Stotz sagt: „Unsere Ergebnisse machen deutlich, dass alleine die ausgewiesene oder beworbene Gebühr bei der Auswahl eines Kryptobrokers nur begrenzte Aussagekraft über die tatsächlichen Kosten haben kann. Für Privatanleger ist daher insbesondere der Vergleich der effektiven Ausführungspreise relevant. Mehr Transparenz und eine konsequente Umsetzung der bestmöglichen Ausführung würden es Privatanlegern erleichtern, Angebote tatsächlich miteinander zu vergleichen.“
Die Untersuchung zeigt zudem einen Zusammenhang zwischen der Transparenz des Gebührenmodells und der Höhe der Handelskosten. Broker mit weniger transparenten Gebührenmodellen weisen im Experiment tendenziell höhere Gesamtkosten auf als Anbieter mit transparent ausgewiesenen Gebühren. Bei einem der untersuchten Broker (Trade Republik) stiegen mit zunehmender Ordergröße sogar die prozentualen Handelskosten und erreichten Werte von mehr als 500 Basispunkten. Generell spielen marktbezogene Faktoren keine relevante Rolle: Größere Transaktionen führten an der Benchmarkbörse nicht zu messbar höheren Spreads. Auch übliche Marktvariablen wie die Volatilität erklärten nur einen kleinen Teil der beobachteten Transaktionskosten.
MiCA-Registrierung führt nicht zu messbarer Kostensenkung
Die Handelskosten blieben während des einjährigen Untersuchungszeitraums nahezu konstant. Die Registrierung eines Brokers nach der EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte (Markets in Crypto-Assets Regulation, MiCA) führte nicht zu einer systematischen Reduzierung der Handelskosten. Aus Sicht der Studie ergeben sich daraus Ansatzpunkte für die weitere Regulierung von Kryptowerte-Dienstleistungen. Neben bestehenden regulatorischen Anforderungen könnten insbesondere Kostentransparenz und die Umsetzung der bestmöglichen Ausführung stärker in den Mittelpunkt rücken.
Mehr als 2.000 reale Transaktionen über ein Jahr
Für die Studie führte Olaf Stotz über einen Zeitraum von einem Jahr 2.088 Round-Trip-Market-Orders in Bitcoin, Ethereum und Dogecoin bei sechs Retailbrokern durch: Bison, Bitpanda, flatex, N26, Smartbroker und Trade Republik. Das Studiendesign variierte unter anderem die Transaktionsgröße, den Handelstag, die Tageszeit und die Reihenfolge der Brokeraufträge, um systematische Verzerrungen möglichst auszuschließen. Jeder Ausführung wurden die zeitgleichen Geld- und Briefkurse einer großen Kryptobörse als Benchmark zugeordnet. Dadurch konnten die Forschenden bereinigte Round-Trip-Kosten berechnen und den Anteil des allgemeinen Marktspreads von weiteren, brokerbezogenen Handelskosten unterscheiden.