ESG-Daten Monitor 2026: Banken bewerten KMU meist nach Branchenwerten

21 October 2026 • Research
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Studie zeigt: Fehlende ESG-Daten erschweren die Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken bei der Kreditvergabe

Die Frankfurt School of Finance & Management hat gemeinsam mit openESG und Acuity Analytics den ESG-Daten Monitor 2026 veröffentlicht. Der seit 2024 jährlich erscheinende Monitor untersucht, welche Rolle ESG-Risiken bei der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spielen. Grundlage ist eine Befragung von Fachleuten aus Banken und Leasinggesellschaften.

Die Ergebnisse zeigen: ESG-Risiken beeinflussen bereits heute die Kreditvergabe an den Mittelstand. 51 Prozent der Befragten berichten, dass ihr Institut KMU-Kredite aufgrund von ESG-Risiken ablehnt oder nur unter signifikanten Auflagen genehmigt. Fehlen unternehmensbezogene ESG-Daten, greifen Banken und Leasinggesellschaften überwiegend auf Branchendurchschnitte zurück. Das geben je nach Institutsgröße 89 bis 94 Prozent der Befragten an.

Für Unternehmen kann dies Nachteile haben: Wer im Bereich ESG besser abschneidet als der Branchendurchschnitt, kann diesen Vorteil ohne eigene Daten bei der Kreditentscheidung nicht belegen. Dabei ist der Aufwand für die Datenerfassung überschaubar: 74 Prozent der Befragten geben an, die ESG-Daten eines KMU in weniger als zwei Stunden erfassen zu können. Die größten Hürden sind die Verfügbarkeit und Qualität der Daten.

„Wer besser dasteht als seine Branche, verschenkt ohne eigene Daten ein Argument im Kreditgespräch“, sagt Michael Sindram, Mitautor der Studie und Geschäftsführer von openESG.

Weniger Berichtspflichten, aber weiterhin hoher Datenbedarf

Während die Berichtspflichten für Unternehmen durch die Omnibus-I-Richtlinie deutlich reduziert wurden, müssen Banken ESG-Risiken weiterhin in ihrem Risikomanagement berücksichtigen. 49 Prozent der Befragten erwarten, dass sich die ESG-Datenerfassung durch die neuen Regelungen weiter verschlechtert. Bereits heute halten 69 Prozent die Datenerfassung für herausfordernd. Auch der freiwillige Standard für KMU (VSME) schließt die Datenlücke nicht: Nur sieben Prozent halten sein Basismodul für ausreichend, um physische Klimarisiken zu bewerten.

Sektor- und Rechtsrisiken wichtiger als CO₂-Emissionen

ESG-bedingte Kreditablehnungen oder zusätzliche Auflagen betreffen meist nur einen kleinen Teil des Kreditgeschäfts: 47 Prozent der Befragten nennen weniger als fünf Prozent der KMU-Kredite.

Als besonders entscheidungsrelevant gelten die Tätigkeit eines Unternehmens in bestimmten Sektoren (72 Prozent) und Rechtsverstöße (61 Prozent). Treibhausgasemissionen der Scopes 1 und 2 nennen dagegen nur 37 Prozent.

„Banken bewerten, was sie verlässlich messen können. Die Branche eines Unternehmens ist bekannt, seine Emissionen meist nicht. Solange sich das nicht ändert, bleibt der Sektor der wichtigste ESG-Indikator im Mittelstandskredit“, sagt Dr. Sebastian Rink, Dozent an der Frankfurt School und Mitautor der Studie.

ESG-Relevanz im Firmenkundengeschäft nimmt zu

Bei großen, berichtspflichtigen Firmenkunden beeinflussen ESG-Risiken nach Einschätzung der Befragten inzwischen durchschnittlich 46 Prozent des Kreditgeschäfts, gegenüber 40 Prozent im Jahr 2024 und 34 Prozent im Jahr 2025. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Instituten: Der Anteil der Befragten, bei denen ESG-Risiken mehr als 80 Prozent des Geschäfts beeinflussen, ist seit 2024 von 13 auf 36 Prozent gestiegen.

„Bei großen Firmenkunden sieht ein Teil der Befragten fast jede Kreditentscheidung durch ESG-Risiken beeinflusst, bei anderen spielen sie kaum eine Rolle. Wie sehr ESG-Risiken die Finanzierung beeinflussen, hängt damit vor allem von der Bank ab“, sagt Dr. Maurice Dumrose von der Universität Kassel, Mitautor der Studie.

Auch zwischen den Bankengruppen bestehen Unterschiede: Im KMU-Kreditgeschäft sind ESG-Daten für 67 Prozent der Befragten aus genossenschaftlichen Instituten teilweise oder immer entscheidungsrelevant, bei öffentlich-rechtlichen Instituten für 63 Prozent und bei privaten Instituten für 56 Prozent.

Download der vollständigen Studie

Nicole Clos

Manager Corporate Communications
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Nicole Clos