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Reinhard Pasch, 41 Jahre alt, absolvierte im letzten Jahr an der Frankfurt School of Finance & Management den Executive MBA –— und zwar als Pendler der Superlative. Denn Reinhard Pasch wechselte während des Studiums innerhalb der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) von Zürich nach Singapur und pendelte für die Vorlesungen regelmäßig zwischen Asien und Frankfurt. Heute ist er bei der LBBW Singapore Branch als Head of German Desk (South East Asia) and Transaction Banking Asia Branches tätig.

Wie haben Sie das geschafft – ein Semester lang immer wieder zum Wochenende zwischen Frankfurt und Singapur zu pendeln? War das nicht ein riesiger Kraftakt?

Die Zeitverschiebung und der Studienort haben geholfen: Donnerstagnacht bin ich in den Flieger, Freitag am frühen Morgen war ich in Frankfurt. Den Tag habe ich genutzt, um mich in der Bibliothek auf die Vorlesungen vorzubereiten, die erst am Nachmittag anfingen. Nach den Vorlesungen am Samstagabend bin ich direkt in den Flieger zurück nach Singapur. Außerdem erwies sich die Zeitverschiebung als ziemlich nützlich für Gruppenarbeiten. Wir haben sie in Schichten erledigt: Wenn die Kommilitonen in Frankfurt ins Bett gegangen sind, habe ich in Singapur übernommen und umgekehrt.

Was war die größte Herausforderung während dieses Pendel-Semesters?

Grundsätzlich ist es herausfordernd, ein berufsbegleitendes Studium „neben“ einem Vollzeitjob zu absolvieren. Arbeitgeber, Mitarbeiter, Kunden, Kollegen, Geschäftspartner – man muss mit ihnen im guten Austausch bleiben, um den Job weiter erfolgreich zu machen. Bei all denen, die noch Familie und Kinder haben, wird das Jonglieren zum magischen Dreieck. In meinem Fall kamen die langen Reisen hinzu. Ich kam Sonntagabend nach Hause, da waren die meisten Wochenenden gelaufen. Auf lange Sicht tut das nur dem Meilenkonto gut.

Wie kann man sich gut organisieren – ohne Familie, Beruf oder Studium ganz zu vernachlässigen? Was ist Ihre Lesson Learnt?

Ohne eine gute und vorausschauende Planung und die Unterstützung der Betroffenen funktioniert das nicht. Ich bin meiner Frau und meinem Arbeitgeber dafür dankbar, dass ich den Rücken von zusätzlichen Belastungen frei hatte. Man muss sich richtig konditionieren und sich sagen: „Das ist jetzt mein Leben und damit muss ich mich möglichst gut arrangieren.“ Das Entscheidende dabei ist, dass man sich gar nicht zu viele Gedanken macht, sondern sich auf die neue Situation einlässt. In meinem Fall hieß das: In den Flieger einsteigen, schlafen und zwölf Stunden später wieder aufmachen. Das Flugzeug wäre nicht schneller geflogen, wenn ich im Stress gewesen wäre.

Das klingt nach einer recht gelassenen Haltung?

Das ist vielleicht schon ein bisschen der asiatische Einfluss. Hier ist man in vielen Situationen geduldiger als in Deutschland. Insbesondere, wenn man weiß, dass man in Hektik weder etwas beschleunigen noch etwas bewirken kann. Es gilt, die Zeit möglichst effizient nutzen.

Dafür mussten Sie doch sicher auch Abstriche machen?

Sicherlich! Davon war vor allem meine Familie betroffen. Die Pendelei hat unser Familienleben massiv beeinträchtigt. Mein kleiner Sohn, der damals schon drei Jahre alt war, hat mich jedes Mal mit traurigen Augen angeschaut, wenn ich nach Frankfurt geflogen bin. Doch ich bin keine Benchmark. Jeder hat eine individuelle Belastungsgrenze und sollte die eigenen Kräfte persönlich ausloten. In sechs Monaten bin ich 15 Mal zwischen Frankfurt und Singapur gependelt — ich hätte es nicht öfter tun wollen.

Wie hat es sich angefühlt, als das Studium und die damit verbundene Belastung vorüber waren?

Unglaublich gut! Mit der Thesis gewinnt das Studium am Ende noch mal eine ganz eigene Qualität. Das ging sicher allen so. Da werden Nachtschichten zur Gewohnheit. Wenn die Thesis abgegeben ist, hat das schon etwas Endgültiges – und unglaublich Befreiendes! Ich habe die wieder gewonnene Zeit überwiegend mit meiner Familie verbracht. Mein Sohn hat mich gefragt „Paps, bleibst du jetzt lange da?“ Und ich konnte endlich antworten „Ja!“.

Und was war die Reaktion Ihres Sohnes?

„Jippiieh!“ Das war der Wortlaut. Er hat sich schon wahnsinnig gefreut.

Was ist Ihre schönste Erinnerung an Ihre Studienzeit an der Frankfurt School? Haben Sie Ihre Entscheidung für das Studium vielleicht auch einmal bereut?

Die schönste Erinnerung ist die an das Studium an sich. Trotz der anstrengenden Anreise habe ich es nie bereut. Seien es die Gespräche und Diskussionen innerhalb und außerhalb des Hörsaals oder der Auslandsaufenthalt in Argentinien — letztendlich sind die Begegnung mit Gleichgesinnten aus verschiedenen Branchen und die Möglichkeit von ihren Erfahrungen zu lernen sehr bereichernd. Ich konnte aber nicht nur für Studium und Beruf, sondern auch über mich selber eine Menge Neues erfahren.

Sie waren die ganze Zeit über berufstätig. Was tun Sie konkret in Ihrer heutigen Position als Head of German Desk South East Asia?

Wir beraten deutsche Unternehmen, Mittelständler und Konzerne in Südost Asien. Unser Vorteil gegenüber lokalen Banken ist, dass wir individuell auf die speziellen Bedürfnisse dieser deutschen Unternehmen eingehen.

Inwiefern hat Sie das Studium auf die neuen Anforderungen vorbereitet? Was war besonders nützlich?

Zweifelsohne war die Verknüpfung von wissenschaftlichen Aspekten in Verbindung mit den Erfahrungen aus der Berufspraxis eine sehr wirkungsvolle Kombination. Die theoretischen Kenntnisse, die man im MBA erwirbt, lassen sich aufgrund des berufsbegleitenden Studiums fortlaufend in die Praxis übertragen. Sei es World Economy, Strategy and Operations, Personalmanagement oder die vielen anderen Fächer — alles findet sich in meinem Berufsalltag wieder. Im Übrigen hat mich das Pendeln auch in praktischen Dingen ganz gut vorbereitet. Denn transnationales Zeitmanagement bestimmt auch heute meinen Alltag und das entsprechende Projektmanagement.

Welche Bedeutung haben Alumni für eine Hochschule? Was denken Sie können Alumni für ihre Hochschule tun?

Alumni sind potenzielle Multiplikatoren für eine Hochschule. Mit diesem Interview bin ich ja auch ein Botschafter für die Frankfurt School und den EMBA.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Immer wissbegierig sein und lebenslang dazu lernen - offen für Unbekanntes sein.

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