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Frankfurt am Main, 15.11.2018 12:00:00

Sie habe täglich mit der Bürokratie vieler verschiedener Länder zu tun. Langweilig werde ihr im Beruf aber nie. Ganz im Gegenteil, manchmal wünsche sie sich sogar etwas mehr Langeweile im beruflichen Alltag, erzählte Danièle Nouy, Vorsitzende des Aufsichtsgremiums des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus bei der Europäischen Zentralbank entspannt beim ECB Youth Dialogue an der Frankfurt School of Finance & Management am vergangenen Montag über die Errichtung des Kontrollinstruments innerhalb der europäischen Bankenunion. Es sei ihr bewusst, dass es diese Abwechslung so nicht in jedem Job gebe. Sie lerne jeden Tag – mehr als sie sich jemals hätte vorstellen können, betonte die 68-jährige. Deshalb sei ihre Position bei der EZB etwas ganz Besonderes. Sabine Lautenschläger, stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, begleitete ihre französische Kollegin auf dem Panel, das von Andreas Horchler, Leiter Unternehmenskommunikation an der Frankfurt School, moderiert wurde.

Errichtung des Mechanismus in weniger als einem Jahr

Sowohl Danièle Nouy als auch Sabine Lautenschläger kamen Anfang 2014 zur EZB. Aufgrund der dringenden Notwendigkeit die Finanzstabilität im Euroraum zu stärken, gab es für die Errichtung des einheitlichen Bankenaufsichtsmechanismus nur einen sehr kurzen Zeitraum. „Wir hatten weniger als ein Jahr für die Umsetzung. Die größte Herausforderung war dabei zunächst die komplette Abteilung aufzubauen. Von anfangs 12 Personen vergrößerte sich das Team auf 1.000 Mitarbeiter. Insgesamt erhielten wir 26.000 Bewerbungen – von Juristen, Wirtschaftswissenschaftlern, Mathematikern und sogar Historikern“, so Sabine Lautenschläger. Unterstützt wurde das Team auch durch die Strukturen bei der EZB – zum Beispiel durch Informatiker und Personalverantwortliche. Voraussetzung bei den Mitarbeitern sei zunächst eine fundierte akademische Ausbildung gewesen. Besonders viel lerne man im Arbeitsalltag, betonte Danièle Nouy. Viele der neuen Kollegen kamen von den einzelnen nationalen Bankenaufsichten. In der Euro-Bankenaufsicht arbeiten mittlerweile Personen aus 28 verschiedenen Ländern – die einzige Sprache, die alle sprechen ist Englisch.

Sabine Lautenschläger, Danièle Nouy und Andreas Horchler auf dem Panel (v.l.n.r)

Sabine Lautenschläger, Danièle Nouy und Andreas Horchler auf dem Panel (v.l.n.r)

Ein Blick in die Zukunft: Auswirkung von Disruption auf Bankenaufsicht

Durch eine steigende Anzahl von FinTechs gebe es für die traditionellen Banken immer mehr Konkurrenz. Viele der Start-ups seien mit ihren Geschäftsmodellen mobiler als herkömmliche Banken, da diese bisher weniger Regulierungen unterlägen – so entstünden rasch Grauzonen, betonte Sabine Lautenschläger. „FinTechs haben aufgrund ihrer jungen Vergangenheit weniger rechtliche Kosten zu begleichen als traditionelle Finanzinstitute. Dass kann zu Wettbewerbsvorteilen bei den Start-ups führen. Meiner Meinung nach werden sich in den kommenden Jahren aber viele der FinTechs entscheiden müssen, welchen Weg sie gehen und was für ein Portfolio sie ihren Kunden anbieten möchten – zu einem entsprechend großen Angebot gehören dann auch mehr Kontrollen“, so Sabine Lautenschläger. Grundsätzlich habe die Bankenaufsicht deshalb die Aufgabe sich stetig weiterzuentwickeln, was jedoch nichts daran ändere, dass die EZB die Standards setze. „Wir gestalten die Zukunft des europäischen Bankensystems“, erklärte Sabine Lautenschläger

Youth Dialogue: Studierende fragen Expertinnen

Im zweiten Teil der Veranstaltung hatten die Anwesenden die Möglichkeit, Fragen an die Expertinnen zu stellen. Neben Studierenden und Alumni, waren auch Mitarbeiter der Wirtschaftsuniversität und Journalisten in das Audimax der FS gekommen. Die Fragen kamen direkt aus dem Publikum und wurden per App auf einer Leinwand eingeblendet. Eine Frage, die viele Gäste interessierte war, ob Europa eine einheitliche Fiskapolitik benötige. Auch nach der Auswirkung von Kryptowährungen auf das europäische Bankensystem wurde gefragt. Diese sei bisher gering. Zudem seien Kryptowährungen keine realen Währungen sondern viel mehr mit digitalen Rohstoffen zu vergleichen, so Sabine Lautenschläger.

Die ganze Veranstaltung können Sie hier abrufen.

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