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Frankfurt am Main, 19.07.2021 12:00:00

Die Frankfurt School bietet spezielle Programme für Executives und CEOs an, insbesondere für Mandatsträgerinnen und Mandatsträger, die ihre Rolle gerade übernommen haben oder sie in Kürze annehmen werden. Sie alle erhalten Impulse und Ideen, Inspirationen und konkrete Handlungsempfehlungen für ein zukunftsfähiges und erfolgreiches Management, mit allen Herausforderungen und Lösungen.

Prof. Dr. h.c. Klaus-Peter Müller engagiert sich als Experte in Leadership-Programmen der Frankfurt School. Im Interview spricht er über wertorientierte Persönlichkeiten als mitreißende Lenker.

Herr Professor Müller, welche fachlichen Kompetenzen muss ein CEO haben? Haben sich Ihrer Meinung nach in den letzten zwei Jahrzehnten Anforderungen überholt?

Bei dem Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens setze ich hohe Einsatzbereitschaft und Belastbarkeit voraus, fundierte Branchenkenntnisse sind wünschenswert. Darüber hinaus sollte ein CEO über persönliche Erfahrungen in der Führung von Mitarbeitern verfügen und gewohnt sein, Teams zu formen und zu leiten. Die Anforderungen an die Position und die Personen, die sie ausfüllen, haben sich in der Tat erheblich verändert: Das Geschäft ist globaler, schneller und digitalisierter geworden. Hinzu kommt, dass Entwicklungen wie die Künstliche Intelligenz auch kurzfristige Veränderungen in Produktion und Vertrieb bedingen werden. Mit diesem Wandel muss ein CEO sich permanent auseinandersetzen.

Welche Persönlichkeit überzeugt an der Unternehmensspitze?

Es sind charismatische, charakterfeste und wertorientierte Persönlichkeiten, die gesucht und gefordert werden. Wichtig ist – mehr denn je – die Fähigkeit zu einer guten internen wie externen Kommunikation. Dies liegt unter anderem daran, dass die Ansprüche von Medien, NGO’s und der Politik weiter steigen, ebenso wie die Bedürfnisse der Belegschaft und nicht zuletzt der Eigentümer, der Aktionäre.

Wie sollte ein Rollenwechsel ideal ablaufen und wie schwierig ist es „Primus inter Pares“ zu sein?

Für den Rollenwechsel gibt es kein Idealmodell. Schon die Frage, ob ein neuer Amtsinhaber von außen kommt oder dem Unternehmen bereits seit Jahren angehört, wird zu unterschiedlichen Bedürfnissen führen weist auf unterschiedliche Bedürfnisse innerhalb des Unternehmens hin.

Lange Einarbeitungsfristen führen zu „lame-duck“-Verhältnissen, also einer Zeit, während der keine wichtigen Entscheidungen mehr getroffen oder eingeschlagene Wege weiterverfolgt werden. Gleichwohl muss ein Nachfolger über einen soliden Kenntnisstand, zum Beispiel im Hinblick auf aktuelle Probleme, die Geschäftsentwicklung oder Strategien verfügen. Das bedeutet, dass Primus inter Pares-Modelle immer starke und überzeugungsorientierte Persönlichkeiten erfordern. Denn auch in kritischen oder besonders wichtigen Fragen wird nicht über Weisungen, sondern durch Überzeugung geführt.

Wie kommuniziert ein CEO mit seinen Stakeholdern und welches Verständnis benötigt er für ihre Belange?

Die Bereitschaft und Fähigkeit, den modernen Kommunikationsansprüchen gerecht zu werden, setzt nicht nur Begabung, sondern auch ständiges Lernen und Üben voraus. Die meisten CEOs sind gut beraten, sich auf diesem Feld professionell anleiten und begleiten zu lassen. Wobei die Anforderungen der verschiedenen „Stakeholder“ sehr unterschiedlich sein können. Standardisierte Antworten, die allen dienen sollen, werden die Ausnahme sein.

Ein CEO muss nicht alles sagen, was er weiß. Aber was er sagt, muss ehrlich sein – seine Aussagen dürfen nicht zu Fehlschlüssen führen. Dies wird leider zu oft ignoriert.

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Prof. Dr. h.c. Klaus-Peter Müller

Prof. Dr. h.c. Klaus-Peter Müller war von 1991 bis 2008 Mitglied des Vorstands, zuletzt sieben Jahre Vorstandssprecher und ist heute Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats der Commerzbank AG, den er von 2008 bis Mai 2018 als Vorsitzender geführt hat. Zudem ist er Ehrenvorsitzender des Stiftungsrates der Frankfurt School of Finance & Management, dem er acht Jahre lang als Vorsitzender angehörte. 2016 hat er einen Stipendienfonds an der FS eingerichtet. Er fördert damit Studierende, die ein Vollzeitmasterstudium an der Frankfurt School beginnen möchten und die Finanzierung nicht selbst aufbringen können.